Ästhetische Dermatologie

Fadenlifting: Sanfter Eingriff mit großem Effekt

Dr. med. Johannes Müller-Steinmann

Ärztlicher Leiter der Kiel Medical Academy Facharzt für Dermatologie
Schwerpunkte Lasermedizin, ästhetische Medizin, Ernährungsmedizin, Anti-Aging-Medizin

Alter Markt 1e
24103 Kiel info@Kiel-Medical-Academy.de

Man ist so alt, wie man sich fühlt! Leicht gesagt, wenn das Gesicht im Spiegel so gar nicht zum gefühlten Alter passen möchte. Darunter leiden viele Menschen, die sich wünschen, dass sich ihre innere Jugendlichkeit auch in ihrem Äußeren spiegelt. Vor großen Eingriffen wie einem operativen Facelift schrecken die meisten jedoch zurück. Zu groß die Angst vor der Operation selbst, aber auch davor, am Ende künstlich oder gemacht auszusehen. Viele Patienten wünschen sich eine sanfte Verjüngung, die die Frische in ihr Gesicht zurückkehren lässt und von Freunden, Bekannten und Kollegen als positive Verwandlung, nicht jedoch als Beauty-Eingriff wahrgenommen wird. Ein professionell durchgeführtes Fadenlifting kann genau dies Erreichen.

Das Gesicht wird mit teuren Cremes, Gels und Lotionen behandelt, er- schlaffte Hautpartien an anderen Körperstellen sollen Sportprogramme wieder straffen. Mit solchen Maßnahmen lassen sich auch Erfolge erzielen – diese sind jedoch begrenzt. Kein Wunder, wenn man sich überlegt, warum die Haut mit zunehmendem Alter an Spannung verliert. Denn Doppelkinn, Hängebäckchen und Falten sind die Folge eines natürlichen Alterungsprozesses, bei dem der Kollagengehalt in der Haut mehr und mehr abnimmt und auch das aufpolsternde Fettgewebe nach und nach weniger wird. Hängende Mundwinkel sorgen dann beispielsweise dafür, dass ein freundlicher, positiver, gut gelaunter Mensch mürrisch und griesgrämig wirkt, obwohl dies überhaupt nicht seinem Charakter entspricht.

Ein Fadenlifting kann dem entgegen- wirken, indem es durch die Fäden selbst bereits neues Volumen in die Haut einbringt. Gleichzeitig wird der Körper angeregt, neue Kollagenstrukturen zu bilden. Hebefäden können einzelne Gesichtspartien noch zusätzlich anheben.

Auf den passenden Faden kommt es an

Da es sich beim Fadenlifting um einen minimalinvasiven Eingriff handelt, kommt er für viele Patienten in Frage. Zu den wenigen Kontraindikationen gehören Autoimmunerkrankungen, Gerinnungsstörungen (angeboren oder durch Medikamenteneinnahme) oder eine Neigung zu Allergien, Infektionen oder Hauterkrankungen im zu behandelnden Hautareal.

Auch Menschen, die innerhalb des vergangenen Jahres eine Chemotherapie erhalten haben, sollten mit dem Fadenlifting noch warten. Ebenso Schwangere und stillende Mütter.

Spricht nichts gegen die Behandlung und wurden auch die Erwartungen besprochen (s. Kastentext), gilt es, die passenden Fäden auszuwählen. Von einfach glatt bis Fadenbündeln und solchen mit kleinen Widerhaken gibt es eine große Auswahl – je nach- dem, was damit erreicht werden soll. In einer qualifizierten Fortbildung haben Ärzte die verschiedenen Fadenstrukturen, Anwendungs- und Funktionsbereiche kennengelernt und können individuell das passende auswählen.

Abb. 1: Straffung des Doppelkinns mittels Fadenlifting.

Erwartungsmanagementernstnehmen

Durch Fadenlifting lässt sich die Haut straffen, Falten mindern und ein frisches Aussehen erreichen. Egal wie gut der Arzt arbeitet, wird damit jedoch aus einer 55-Jährigen optisch keine 25-Jährige. Das muss auch den Patienten vor der Behand- lung klar sein. Nur wenn sie wissen, was sich realistisch erreichen lässt, werden sie am Ende auch mit dem Ergebnis zufrieden sein. Vernachlässigen Ärzte zu Beginn das Erwartungsmanagement, riskieren sie unzufriedene Patienten, die sie auch mit langwierigen Nachbehandlungen nicht mehr glücklich machen.

Am besten beginnt das Fadenlifting früh, etwa ab dem 35. Lebensjahr, wenn sich die ersten Zeichen der Hautalterung nicht mehr verleugnen lassen. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich mit gezielten Eingrif- fen der Alterungsprozess verlangsamen. Kommen Patienten im fortgeschrittenen Alter, sollten sich Ärzte gut überlegen, ob diese Behandlungsmethode die richtige ist, und sie nur anwenden, wenn die Erwartungshaltung der Patienten auch wirklich realistisch ist.

Mittlerweile kommen beim Fadenlifting nur noch resorbierbare Fäden zum Einsatz. Sie bestehen aus bioogisch abbaubaren Polymeren, etwa Poly-Caprolacton, Poly-Milchsäure oder Poly-Dioxanon. Der Körper resorbiert diese – je nach Hersteller und Material – innerhalb von einem halben bis dreiviertel Jahr. Diese Materialien sind sehr sicher. Poly-Dioxanon zum Beispiel kommt seit mehr als 30 Jahren in der Chirurgie als resorbierbares Nahtmaterial zum Einsatz.

Volumenaufbau mit glatten Fäden

Es gibt beim Fadenlifting grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Fäden. Die einen sind glatt, die anderen habe kleine Widerhaken. Während glatte Fäden vor allem für mehr Volumen sorgen, heben die Fäden mit Widerhaken die Haut zusätzlich an und halten sie an der gewünschten Stelle.

Verliert die Haut an Volumen, wird sie durchsichtiger. So entstehen beispielsweise dunkle Ringe unter den Augen. Es entstehen auch kleine Knitter-, Lach- und Mimikfältchen.

In diesen Fällen helfen glatte Fäden,

die in die Haut eingebracht werden und diese aufpolstern. Haben sich kleine Falten um den Mund oder die Lippen gebildet, lassen sich auch diese so gut behandeln.

Die als “Mono“ oder “Basic“ bezeichneten Einzelfäden kommen bei leichten Falten zum Einsatz. Die Nadelstärke liegt hier bei 30-26 G. Tiefere Falten können mit sogenannten Twin-Fäden, dabei sind zwei Fäden ineinander verdreht, abgemildert werden. Sie haben eine größere Oberfläche und geben entsprechend mehr Volumen. Sogenannte Screw- Fäden haben eine Gewindestruktur, die sich noch besser in der Haut verankert. Die verwendete Nadelstärke liegt bei 25-26 G. Das Gewebe verdichtet sich hier noch stärker.

Bei Broom-Fäden wird direkt ein ganzes Fadenbündel mit etwa zehn Fäden in die Haut eingebracht. Aufgrund der Dicke ist hier ein wenig Geschick erforderlich. Sie bringen aber auch das meiste Volumen.

Wichtig ist, die glatten Fäden so einzubringen, dass die doppelt liegende Fadenspitze dort liegt, wo am meisten Kollagenzuwachs erwünscht ist. Die Fäden sollten also von unten nach oben bzw. von der Seite zur

Abb. 2a-b: Erscheinungsbild vor (l.) bzw. vier Wochen nach einem Fadenlifting.

Mitte gezogen werden. Ein noch besserer Volumenaufbau lässt sich erreichen, wenn man zum Beispiel auf der Stirn ein Netz von zehn bis 20 Fäden in beide Richtungen anlegt. Bei langen Falten, etwa der Nasolabialfalte, können auch mehrere Fäden gestaffelt eingezogen werden.

Tipp: Verbleiben die Kanülen zunächst in der Haut, behalten Behandler gerade bei Bereichen mit vielen Fäden einen besseren Überblick.

Behandlungs- verlauf dokumentieren

Ein gewisser Effekt lässt sich beim Faden- lifting sofort beobachten. Bevor die volle Wirkung erreicht ist, dauert es jedoch etwa acht Wochen. In dieser Zeit verändert sich das Gesicht nach und nach. Das hat zur Folge, dass vielen Patienten der Vorher- Nachher-Effekt gar nicht so bewusst wird. Erst wenn sie Fotos sehen, erkennen sie, welche Veränderungen stattgefunden haben. Darum ist es wichtig, die Patienten vor Beginn der Behandlung, direkt danach und im weiteren Verlauf zu fotografieren. Tipp: Am besten erstellen Ärzte ein Vorher-Foto vor dem Anzeichnen und eines, auf dem die Linien zu sehen sind. Diese zeigen den Verlauf der Fäden. So lässt sich die Behandlung auch Jahre später noch genau nachvollziehen.

Haut anheben mit Widerhäkchen

Neben dem Volumenaufbau haben sogenannte Hebefäden eine Struktur mit Widerhaken, die es erlaubt, die Haut zu ziehen und an der gewünschten Stelle zu verankern. Die Nadelstärke liegt hier zwischen 18 und 23 G. Sie kommen etwa zum Einsatz, wenn es darum geht, Hängebäckchen anzuheben, hängende Mundwinkel oder ein Doppelkinn zu behandeln. Die Widerhaken werden bei der Herstellung entweder in den Faden geschnitten (cut) oder gegossen (moulded). Letztere sind reißfester, erstere schärfer. Damit halten sie jedoch etwas besser in der Haut. Es gibt zudem Fäden mit sogenannten Cones, bei denen kegelförmige Strukturen die Funktion der Widerhaken erfüllen. Den stärksten Hebe-Effekt erzielen Fäden mit bidirektionalen Wider- haken, da diese in beide Richtungen Halt bieten.

Die Richtung, in der die Fäden in die Haut eingebracht werden müssen, ist bei den Hebefäden im Vergleich zu den glatten Fäden umgekehrt, also von oben nach unten bzw. von der Mitte zur Seite. Das liegt daran, dass die Haut in die Gegenrichtung straff- gezogen wird. Erst dabei richtigen sich die Widerhaken auf und verankern sich in der Haut.

Tipp: Das Fadenende sollte stets so gekürzt werden, dass es in der Haut verschwindet. Mit einer leichten

Massage der Einstichstelle lässt sich dafür sorgen, dass das Fadenende auch nicht wieder herausrutscht.

Gesicht nach der Behandlung schonen

Da es sich um einen minimalinvasiven Eingriff handelt, ist die Nachbehandlung überschaubar, aber dennoch wichtig. Patienten sollten darauf achten, ihr Gesicht zu schonen: wenig Mimik, wenig Sprechen, weiche Speisen, nicht auf den behandelten Bereichen liegen. Sonst können sich die Fäden in der Haut verschieben. Wenn die Patienten zur Nachkontrolle in die Praxis kommen, sollten Nachher-Fotos erstellt werden. Nach rund acht Wochen zeigt sich das endgültige Behandlungsergebnis.

Fadenlifting – Fortbildung in der Kiel Medical Academy

Nächste Termine :
10. Mai 2019 9-18 Uhr
05. Juli 2019 9-18 Uhr

Dieser Workshop führte Ärzte in die Anwendung von Fadenlifting im Gesicht ein, inklusive Abrechnungs-, Komplikations- und Qualitätsmanagement sowie Hands-on-Trainings an Modellen.

Weiter Informationen und Anmeldung:

www.kiel-medical-academy.com

(Foto: Kiel Medical Academy)