Ästhetische Dermatologie

Plaque Psoriasis: Stetige Anpassung der Therapieziele

Auswirkungen eines besseren Hautstatus bei Plaque-Psoriasis

Dr. Ch. Willen

Seit 2004 wurden diverse Innovationen in der Therapie der Plaque-Psoriasis entwickelt, die zu einer stetigen Weiterentwicklung der Therapie-Ziele führten. Im Rahmen des EADV 2018 in Paris nahm Prof. Mark Radtke, Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), die Gelegenheit wahr, die neuesten Trends für die Sprechstunde weiterzu-geben. Diesbezüglich empfiehlt der Experte, der individuellen Nutzenbewertung der Therapie mehr Beachtung zu schenken. Eine erfolgreiche Therapie der Plaque Psoriasis adressiert alle gesundheitsrelevanten Aspekte unter stetiger Berücksichtigung der patientenrelevanten Bedürfnisse, so das Fazit des Experten.

Wird der Patient in der Sprechstunde zum ersten Mal vorstellig, werden die Therapiebedürfnisse der Patienten mit Plaque-Psoriasis individuell besprochen. Neben den etablierten Tools zur Evaluierung der Krankheitslast wie PASI (Psoriasis Area and Severity Index) und DLQI (Dermatology Live Quality Index) bleibt das Gespräch zwischen Arzt und Patient unersetzlich. Als ein Werkzeug zur Evaluierung des Patientennutzens empfiehlt Radtke beispielsweise den PBI (Patient Benefit Index). Hierbei wird der Patient am Anfang nach seinen Therapiezielen gefragt und später, ob diese auch erreicht wurden. Aus der Sicht des Patienten sind die Wirksamkeit und Effizienz einer Therapie die beiden wichtigsten Kriterien: Über 90 Prozent der Patienten halten die Faktoren, die auch mit dem PASI zusammengefasst werden, für die wichtigsten: So erwarten die Patienten als erstes Kriterium eine schnelle Verbesserung der betroffenen Haut und als zweites Kriterium eine komplette Erscheinungsfreiheit (PASI 100). [1]

Therapiebedürfnisse individuell herausfiltern

Aus Patientensicht sind aber noch weitere Facetten für die Therapie der Plaque Psoriasis von Bedeutung: Mit jeweils über 88 Prozent sind beispielsweise das “Vertrauen in die Therapie“ und “die Kontrolle über die Erkrankung zu gewinnen“ sowie “eine klare Diagnose und Therapie zu erhalten“ besonders erstrebenswert. [1] Laut Radtke verdeutlichen diese Aussagen, dass nach wie vor einige Aspekte der Grundversorgung stark optimierungsbedürftig sind. Dazu gehört beispielsweise die Verkürzung der Zeit bis zum Erhalt einer adäquaten Therapie, da die therapeutischen Möglichkeiten nicht immer voll ausgeschöpft werden, was auch zu einem Vertrauensverlust in die Therapie seitens der Patienten führen kann. Erschwerend kommt die Hilflosigkeit der Patienten hinzu, da es eine chronisch-rezidivierende Er-krankung ist, die auch in unvorhersagbaren Intervallen und Mustern er- scheinen kann. Psoriasis ist eine systemische Erkrankung mit vielschichtiger Komorbidität (z.B. Psoriasis Arthritis, metabolisches Syndrom, kardio-vaskuläre Erkrankungen), die auch mit Ängsten und Depression einhergehen kann. Darüber hinaus können aufgrund der Erkrankung auch noch Probleme mit dem Umfeld auftreten, da über 70 Prozent der Patienten mit Plaque Psoriasis bereits Stigmatisierungen aufgrund ihrer Erkrankung erlebt haben. [2]

Juckreiz als Symptom bei Plaque Psoriasis

Zu den unerfüllten Therapiebedürfnissen bei der Plaque-Psoriasis zählte lange Zeit auch der Juckreiz: „Was wir in den letzten Jahren dazugelernt haben, ist, dass der Juckreiz ein wichtiges körperliches Symptom bei Plaque Psoriasis ist. Über 50 Prozent der Patienten mit Plaque-Psoriasis leiden darunter. Der Juckreiz kann schwerwiegende Auswirkungen haben, beispielsweise dann, wenn die Nachtruhe der betroffenen Patienten dadurch empfindlich gestört ist“, wie Radtke schilderte. Juckreiz war lange Zeit überwiegend in Bezug auf atopische Dermatitis als Symptom anerkannt und weniger in Bezug auf Plaque Psoriasis.

Außerdem gab der Experte zu bedenken, dass der PASI 75 in den klinischen Studien zwar immer noch ein Maß für die Effektivität einer Therapieoption ist, jedoch haben Patienten, die diesen Hautstatus innerhalb einer Therapie erreichen, immer noch einen signifikanten Leidensdruck, der zu Therapie-Unzufriedenheit und eingeschränkter Lebensqualität führen kann. „Die geschilderten therapeutischen Lücken können geschlossen werden, wobei wir dank der innovativen Entwicklungen auch den hohen Anforderungen an die Therapie gerecht werden können“, so die Einschätzung von Radtke.

Erscheinungsfreiheit als Therapieziel

Die Evolution der Therapieziele aus dem Jahr 2004 mit PASI 50 bis hin zu PASI 90 im Jahre 2015 geht aktuell immer weiter Richtung PASI 100. Diesen Trend verdeutlichte Radtke auch anhand von aktuellen Phase-III-Studiendaten aus AMAGINE-2 und -3 mit Brodalumab (Kyntheum®) versus Ustekinumab, die erstmals PASI 90 und 100 als Studien-Endpunkte defi-nieren. Es konnte gezeigt werden, dass der Einsatz von Brodalumab mit einer schnelleren Reduktion des absoluten PASI und mit einer höheren Chance auf Erscheinungsfreiheit im Vergleich zu Ustekinumab assoziiert ist. [3,4]

Fazit

Prof. Mark Radtke stellte dar, dass Patienten, die eine größtmögliche Verbesserung des PASI erfahren, auch die größte Verbesserung der krankheitsbedingten Einschränkung der Lebensqualität erzielen, die bei Erreichung von kompletter Erscheinungsfreiheit einen signifikant positiven Einfluss auf die Lebensqualität haben kann. [5] Die Möglichkeit, eine komplett erscheinungsfreie Haut zu erreichen, kann viele Aspekte des Lebens der Patienten mit Plaque Psoriasis positiv verändern und sollte daher stets als Therapieziel anvisiert werden, so der Rat von Radtke.

Quelle: Fachpressegespräch “Making a Clear Difference“ im Rahmen des EADV 2018, 13. September 2018, Paris; Veranstalter: LEO Pharma

Literatur

  1. World Health Organisation. Global report on Psoriasis 2016: http://apps.who.int/iris/ bitstream/handle/10665/204417/9789241565189_eng.pdf;jsessionid=602115EB7FE604B1F16E212EF19BA9A1?sequence=1
  2. Augustin et al. Psoriasis Healthcare and Facts in Europe for decision makers and stakeholders 2018, 1st edition.
  3. Zachariae et al. European Academy of Dermatology and Venereology annual congress 2018. e-poster number: P0453.
  4. Segaert et al. European Academy of Dermatology and Venereology annual congress 2018. e-poster number: P0457.
  5. Reich et al. Arch Derm Res 2008,300:537-544.