Fortbildung, Forschung, Fortschritt: warum die EADV in Europa wichtiger ist denn je
Interview mit Prof. Dr. Carmen Sălăvăstru (Bukarest)
Was wollten Sie schon lange einmal über die EADV, die European Academy of Dermatology and Venerology, wissen? Die europäische Zusammenarbeit in der Dermatologie ist heute wichtiger denn je. Erkrankungen der Haut kennen keine nationalen Grenzen, ebenso wie Therapien, Leitlinien und wissenschaftliche Innovationen. Genau hier setzt die Arbeit der EADV an: Sie versteht sich als Plattform für wissenschaftlichen Austausch, gemeinsame Standards und medizinischen Fortschritt in ganz Europa. Prof. Dr. Carmen Sălăvăstru, Leiterin der pädiatrischen Dermatologie im Colentina Clinical Hospital und Carol Davila Universität für Medizin und Pharmazie in Bukarest (Rumänien), war von 2021 bis 2025 Generalsekretärin der EADV. Nach dem Studium in Bukarest hat sie in ganz Europa und den USA gearbeitet und geforscht und in den letzten Jahren die grenzübergreifende strategische Ausrichtung der EADV maßgeblich mitgeprägt.
DISKURS Dermatologie: Frau Prof. Sălăvăstru, Sie waren von 2021 bis 2025 Generalsekretärin der EADV. Welche Aufgaben umfasst dieses Amt genau?
Prof. Sălăvăstru:
Die Position der Generalsekretärin nimmt innerhalb der EADV eine besonders zentrale strategische Rolle ein. Historisch gesehen war der Generalsekretär stets eine der wichtigsten organisatorischen Triebfedern der Akademie. Der erste Generalsekretär war der dänische Dermatologe Hans Rothenborg, ich selbst war die neunte Amtsinhaberin. Heute umfasst dieses Amt unter anderem die Verbindung zwischen den gewählten Gremien der Akademie, die für die strategischen Entscheidungen verantwortlich sind, und der operativen Koordination der EADV. Ebenso gehört die Umsetzung der Beschlüsse des Board of Representatives zu den Aufgaben, ebenso wie die offizielle Kommunikation zwischen den Mitgliedern sowie allen Strukturen und Gremien der EADV. Darüber hinaus ist die Generalsekretärin für die Protokollführung und Archivierung sämtlicher Sitzungen verantwortlich und überwacht die Angelegenheiten der Mitgliederverwaltung. Wie man sieht, umfasst das Amt der Generalsekretärin zahlreiche wichtige Aufgaben. Eine der bedeutendsten ist jedoch die Organisation und Durchführung der Wahlen innerhalb der Akademie. Die EADV kann nur so demokratisch sein, wie ihre Mitglieder die Möglichkeit haben, an einem transparenten Wahlprozess teilzunehmen. Deshalb kommt dem Amt der Generalsekretärin sowie dem Nominations- und Wahlüberwachungsausschuss eine entscheidende Verantwortung zu. Gemeinsam stellen sie sicher, dass Nominierungen und Wahlen gemäß den in unseren Statuten und Satzungen festgelegten Verfahren durchgeführt werden.
Die Beteiligung der Mitglieder am Wahlprozess ist von zentraler Bedeutung für den Erhalt, das Wachstum und den Generationenwechsel innerhalb unserer Akademie. Gleichzeitig gewährleistet sie, dass die EADV von einer vielfältigen, integrativen und dynamischen Führung vertreten wird. Dies wiederum fördert Strategien und Interessen, die gesellschaftliche Veränderungen, Modernisierung und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Akademie widerspiegeln. Das Wahlrecht ist das grundlegendste Recht in einer Demokratie, und eine demokratische Struktur kann nur bestehen, wenn dieses Recht auch wahrgenommen wird. Als Mitglieder der EADV ist es unsere Verantwortung, uns an Wahlen zu beteiligen. Dadurch stärken wir das Zugehörigkeitsgefühl und die Verantwortung gegenüber unserer Akademie und erhöhen gleichzeitig die Rechenschaftspflicht unserer gewählten Vertreter. Diese Beteiligung sollte sich jedoch nicht allein auf die Stimmabgabe beschränken. Wir sollten alle Mitglieder dazu ermutigen, die Zukunft der Akademie
EADV: Das europäische Netzwerk aktiver Dermatologen
Beim letzten Jahreskongress der EADV im September 2025 kamen mehr als 20.000 EADV-Mitglieder und Gäste in Paris zusammen. Damit hat sich der EADV-Congress zu einem der weltweit wichtigsten Orte für wissenschaftlichen Austausch, Kooperationen und vor allem die Fortbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs in der Dermatologie etabliert. Die Bandbreite des Angebots von praktischen Kursen, Fortbildungsvorträgen und brandneuen wissenschaftlichen Daten ist so bunt wie die Besucher aus Europa und allen Kontinenten, die sich einmal im Jahr zum Netzwerken treffen. Der nächste EADV Congress findet vom 30. September bis 3. Oktober 2026 in Wien statt. Anmeldung zu diesem dermatologischen Highlight im Herbst in Österreich unter: https://eadv.org/congress/ aktiv mitzugestalten – indem sie sich für Positionen im Board of Representatives, in Ausschüssen, als Vorsitzende, Herausgeber oder Mitglieder der Führungsgremien zur Wahl stellen. Nur so kann die EADV ihren erfolgreichen Weg fortsetzen.
DISKURS Dermatologie: Die EADV steht für ein geeintes Europa: nach ihrer Gründung 1987 in Luxemburg fand der erste EADV-Kongress 1989 in Florenz statt. Welcher war Ihr erster EADV-Kongress und welche Erinnerungen verbinden Sie damit?
Prof. Sălăvăstru:
Mein erster EADV-Kongress als Teilnehmerin war der 8. EADV-Kongress 1999 in Amsterdam. Damals befand ich mich im vierten von insgesamt fünf Ausbildungsjahren zur Dermatologin. Ich erinnere mich noch gut an die besondere Atmosphäre und an die Vortragsräume voller begeisterter Kolleginnen und Kollegen. Ebenso erinnere ich mich daran, dass ich damals den Entschluss fasste, künftig nicht nur wissenschaftliche Poster einzureichen, sondern auch freie Vorträge für die folgenden Kongresse vorzubereiten. Mein erster angenommener freier Vortrag folgte einige Jahre später, im Jahr 2003, beim EADV-Kongress in Barcelona.
DISKURS Dermatologie: Was war während Ihrer Amtszeit als Generalsekretärin die spannendste Innovation innerhalb der EADV?
Prof. Sălăvăstru:
Teil der Führung einer so dynamischen, vielfältigen und komplexen Organisation wie der EADV zu sein, war gleichermaßen anspruchsvoll wie bereichernd. Unsere Akademie hat sich zu einer lebendigen Gemeinschaft entwickelt, die zahlreiche Regionen Europas und der Welt repräsentiert. Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen, beruflichen und persönlichen Hintergründen zusammenzubringen, erfordert ein ständiges Bemühen um Ausgewogenheit und darum, dass jede Stimme Gehör findet.
In den vergangenen Jahren musste unsere Gemeinschaft zudem unter außergewöhnlich schwierigen Rahmenbedingungen arbeiten. Die Pandemie zwang uns zu weitreichenden Entscheidungen, darunter die Absage großer Präsenzveranstaltungen und die Verlagerung zahlreicher Aktivitäten in den digitalen Raum. Ab 2022 kamen zusätzlich weitreichende geopolitische Krisen hinzu, die unsere Mitglieder und deren Patientinnen und Patienten in Europa und darüber hinaus betrafen. Gerade diese schwierigen Zeiten haben jedoch die Widerstandsfähigkeit und Kreativität unserer Gemeinschaft eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Fähigkeit der Akademie, als verbindendes und unterstützendes Netzwerk zu agieren, war noch nie so wichtig wie in dieser Phase. Gemeinsam ist es uns gelungen, die hohe Qualität unserer wissenschaftlichen und Fortbildungsprogramme aufrechtzuerhalten. Deshalb würde ich sagen, dass die bedeutendste Innovation die virtuellen Fortbildungsplattformen sind, die die EADV ihren Mitgliedern über ihre Website zur Verfügung stellt.
DISKURS Dermatologie
Was können insbesondere junge
Dermatologinnen und Dermatologen
auf dem EADV-Kongress lernen?
Prof. Sălăvăstru:
Für junge Dermatologinnen und
Dermatologen sowie Ärztinnen und
Ärzte in der Weiterbildung bietet
der jährliche EADV-Kongress, der
2025 mehr als 20.000 Teilnehmer
anzog, weit mehr als nur Vorträge.
Er wurde gezielt entwickelt, um den
dermatologischen Nachwuchs durch
Fortbildung, praxisnahe Schulungen,
Networking und Forschungsmöglich-
keiten zu fördern.
Zum Kongressprogramm gehören
spezielle „Training and Edu-
cation“-Sitzungen, die sich an
Weiter bildungsassistentinnen und
-assistenten sowie junge Fachärztinnen
und Fachärzte richten. Dort
werden Themen wie Epidemiologie
und Pathophysiologie dermatologi-
scher Erkrankungen, diagnostische
Strategien, Therapiealgorithmen,
Prognosen und das Langzeitmanage-
ment behandelt. Diese Veranstaltun-
gen dienen insbesondere dazu, das
dermatologische Grundlagenwissen
zu festigen. Ich bezeichne diesen
Ansatz gerne als „Moving Science
into Practice“.
Einer der größten Vorteile für junge
Kongressteilnehmerinnen und
-teilnehmer ist außerdem der Zugang
zu Workshops, in denen sie prakti-
sche Fertigkeiten unmittelbar ge-
meinsam mit erfahrenen Expertinnen
und Experten trainieren können.
Zu den Angeboten der vergangenen
Programme gehörten unter anderem
Dermatoskopie, dermatologische
Chirurgie und Nahttechniken, Laser-
behandlungen sowie Ultraschall-
diagnostik und ultraschallgestützte
Injektionen.
Nicht zuletzt spielen auch Networ-
king und Mentoring eine entschei-
dende Rolle. Der Kongress bringt
jedes Jahr Tausende Dermatologin-
nen und Dermatologen aus aller Welt
zusammen und eröffnet jungen Fach-
ärztinnen und Fachärzten dadurch
die Möglichkeit, führende Expertin-
nen und Experten der verschiedenen
Subspezialitäten kennenzulernen,
Mentorinnen und Mentoren sowie
wissenschaftliche Kooperationspartner
zu finden, sich über Fellow-
ships und Weiterbildungsprogramme
zu informieren und internationale
berufliche Netzwerke aufzubauen.
22 DISKURS Dermatologie 4 | 2026
DISKURS Dermatologie
Warum sind der internationale
Austausch und die grenzüberschrei-
tende Zusammenarbeit so wichtig?
Prof. Sălăvăstru:
Der internationale Austausch und die
grenzüberschreitende Zusammen-
arbeit sind gerade in der Dermato-
logie von besonderer Bedeutung,
weil Hauterkrankungen weltweit
auftreten, sich medizinisches Wissen,
Patientenpopulationen und Gesund-
heitssysteme jedoch von Land zu
Land erheblich unterscheiden.
Viele Hauterkrankungen zeigen – ab-
hängig vom Hautphototyp, von der
ethnischen Herkunft, genetischen
Voraussetzungen, Umweltfaktoren
oder kulturellen Einflüssen – unter-
schiedliche Ausprägungen. Derma-
tologinnen und Dermatologen, die
ausschließlich Patientinnen und
Patienten aus einer Region behan-
deln, haben häufig nur begrenzte
Erfahrungen mit Erkrankungen, die
andernorts deutlich häufiger vorkom-
men. Der internationale Austausch
hilft dabei, Krankheitsbilder und ihre
unterschiedlichen Erscheinungsformen
besser zu erkennen, denen
man im eigenen klinischen Alltag
möglicherweise nur selten begegnet.
Darüber hinaus trägt die internatio-
nale Kommunikation dazu bei, mit
der rasanten Entwicklung innovativer
Therapien Schritt zu halten. Wie
bekannt ist, gehört die Dermato-
logie zu den sich am schnellsten
ent wickelnden medizinischen
Fach gebieten. Neue Biologika, ziel-
gerichtete Therapien, bildgebende
Verfahren und Behandlungsleitlinien
entstehen kontinuierlich. Durch den
grenzüberschreitenden Austausch
können Dermatologinnen und Der-
matologen ihre Erfahrungen aus der
täglichen Praxis mit neuen Therapien
teilen und bewährte Behandlungskon-
zepte schneller übernehmen.
Patientinnen und Patienten reisen,
ziehen in andere Länder, studieren
oder arbeiten im Ausland. Deshalb
wird es immer wichtiger, die Ver-
sorgung einer zunehmend mobilen
Bevölkerung zu verbessern. Die inter-
nationale Zusammenarbeit – nicht
nur innerhalb der Dermatologie,
sondern auch mit den angrenzen-
den Fachgebieten – hilft Ärztinnen
und Ärzten dabei, diese vielfältigen
Patientengruppen besser zu ver-
stehen und sie optimal zu versor-
gen. Gleichzeitig erweitert sie den
klinischen Blickwinkel und fördert
evidenzbasierte Entscheidungen,
anstatt sich ausschließlich auf lokale
Erfahrungen zu stützen. Ohne inter-
nationale Kooperationen wären
Fortschritte beim Verständnis vieler
Erkrankungen und bei der Ent-
wicklung neuer Therapien deutlich
langsamer. Organisationen wie die
European Academy of Dermatology
and Venereology schaffen Netzwerke,
in denen junge Dermatologinnen
und Dermatologen Mentorinnen und
Mentoren, wissenschaftliche Koope-
rationspartner, Forschungsmöglich-
keiten und langfristige berufliche
Kontakte finden können.
Kurz gesagt: Die grenzüberschrei-
tende Zusammenarbeit verbessert die
Patientenversorgung, beschleunigt
den wissenschaftlichen Fortschritt,
erweitert die klinische Expertise und
hilft Dermatologinnen und Derma-
tologen, den zunehmend globalen
Anforderungen der Medizin gerecht
zu werden.
DISKURS Dermatologie
Fortbildung ist die Grundlage guter
Medizin, und internationale Er-
fahrungen können die berufliche
Entwicklung fördern. Welchen Rat
würden Sie angehenden Dermato-
loginnen und Dermatologen mit auf
den Weg geben?
Prof. Sălăvăstru:
Eine hilfreiche Grundhaltung lautet:
Bleiben Sie ein Leben lang Lernende
in der Dermatologie. Ärztinnen
und Ärzte, die sich während ihrer
gesamten beruflichen Laufbahn
kontinuierlich weiterbilden, sind
häufig diejenigen, die unser Fachgebiet
entscheidend voranbringen,
die nächste Generation ausbilden und
ihren Patientinnen und Patienten die
bestmögliche Versorgung bieten.
Wie ich bereits erwähnt habe, gehört
die Dermatologie zu den sich am
schnellsten entwickelnden medizini-
schen Fachrichtungen. Das Wissen,
das wir während unserer Weiter-
bildung erwerben, bildet lediglich
den Ausgangspunkt. Der langfristige
berufliche Erfolg hängt maßgeblich
davon ab, ob wir bereit sind, lebens-
lang zu lernen – von Kolleginnen und
Kollegen, von unseren Patientinnen
und Patienten sowie von Gesund-
heitssystemen außerhalb der eigenen
Institution und des eigenen Landes.
Mein Rat wäre deshalb, zunächst
eine solide klinische Grundlage zu
schaffen, bevor man sich auf ein
Spezialgebiet konzentriert. Kon-
tinuierliche Fortbildung sollte als
selbstverständlicher Bestandteil der
gesamten beruflichen Laufbahn ver-
standen werden. Ebenso empfehle
ich, möglichst früh internationale
Erfahrungen zu sammeln und ein
internationales berufliches Netzwerk
aufzubauen, denn genau diese Erfah-
rungen können den weiteren Karrie-
reweg nachhaltig prägen.
Darüber hinaus ist es wichtig, sich
geeignete Mentorinnen und Men-
toren zu suchen. Eine renommierte
Institution ist zweifellos wertvoll,
außergewöhnliche Mentorinnen und
Mentoren sind jedoch häufig noch
bedeutender. Gleichzeitig sollte
man sich mit den Grundlagen wis-
senschaftlicher Methodik vertraut
machen und ein eigenes Spezialgebiet
entwickeln, ohne dabei den Blick für
die gesamte Dermatologie zu ver-
lieren.
Und schließlich sollte die Kommuni-
kation mit den Patientinnen und Pa-
tienten immer im Mittelpunkt stehen.
Die angesehensten Dermatologinnen
und Dermatologen sind meist dieje-
nigen, die die Behandlungsergebnisse
ihrer Patientinnen und Patienten
kontinuierlich verbessern und sich
dabei ihre wissenschaftliche Neugier
sowie ihre fachliche Integrität be-
wahren.
DISKURS Dermatologie
Können die europäischen dermato-
logischen Kongresse mit den großen
Kongressen in Nord- und Süd-
amerika oder auch in Asien kon-
kurrieren? Oder ist das die falsche
Fragestellung?
Prof. Sălăvăstru:
Jeder Kongress hat seine eigene wis-
senschaftliche Ausrichtung und seine
besonderen Stärken. Wie ich bereits
erwähnt habe, ist der grenzüber-
schreitende Austausch von Wissen
und Erfahrungen für den Fortschritt
unseres Fachgebiets von entscheiden-
der Bedeutung. Deshalb würde ich
sagen, dass sich diese Kongresse nicht
gegenseitig Konkurrenz machen,
sondern sich vielmehr sinnvoll er-
gänzen.
DISKURS Dermatologie
In Deutschland gibt es zahlreiche re-
gionale Fortbildungsveranstaltungen
sowie den zweijährlich stattfinden-
den wissenschaftlichen Kongress der
Deutschen Dermatologischen Ge-
sellschaft. Sie kennen die deutsche
Dermatologie und viele Ihrer deut-
schen Kolleginnen und Kollegen sehr
gut. Warum lohnt es sich dennoch, in
der EADV aktiv zu sein und Mitglied
zu werden?
Prof. Sălăvăstru:
Deutschland verfügt über eine lange
und hoch angesehene Tradition in
Lehre und Forschung der Dermato-
logie. Die wissenschaftliche Quali-
tät der deutschen Dermatologie ist
hervorragend und Veranstaltungen
wie der Kongress der Deutschen
Dermatologischen Gesellschaft
zählen zu den bedeutendsten Fort-
bildungsveranstaltungen Europas.
Deutsche Dermatologinnen und
Dermatologen profitieren bereits
heute von exzellenten nationalen
Fortbildungsangeboten, einer starken
Forschungslandschaft und einem
ausgezeichneten beruflichen Netz-
werk. Die eigentliche Frage lautet
daher nicht, ob man sich national
oder innerhalb der EADV engagieren
sollte. Die größte Chance liegt viel-
mehr darin, beides miteinander zu
verbinden.
Eine Mitgliedschaft in der European
Academy of Dermatology and Vene-
reology eröffnet Dermatologinnen
und Dermatologen eine einzigartige
europäische und zunehmend auch
globale Perspektive. Über die EADV
können Mitglieder nicht nur von
ihren Kolleginnen und Kollegen in
Deutschland lernen, sondern ebenso
von führenden Expertinnen und Ex-
perten aus ganz Europa und darüber
hinaus.
Eine der größten Stärken der EADV
ist die große Bandbreite an Fachkompetenz,
die hier zusammen-
kommt. Auf den EADV-Kongressen
und bei den wissenschaftlichen Fort-
bildungsveranstaltungen tauschen
sich Kliniker, Wissenschaftler, der-
matologische Chirurgen, pädiatrische
Dermatologen, Dermatopathologen
und Venerologen intensiv miteinander
aus. Dieser interdisziplinäre
Austausch fördert Innovationen und
trägt unmittelbar zu einer besseren
Patientenversorgung bei. Gleichzeitig
führt der Einblick in unterschiedliche
Gesundheitssysteme und klinische
Herangehensweisen häufig zu neuen
Erkenntnissen, die sich auch in der
eigenen täglichen Praxis anwenden
lassen.
Darüber hinaus bietet die EADV
ihren Mitgliedern weit mehr als
klassische medizinische Fort bildung.
Sie eröffnet Zugang zu hoch-
wertigen Fortbildungsangeboten
während des gesamten Jahres, zu
internationalen Netzwerken und
Mentoring- Programmen sowie zu
wissenschaftlichen Kooperationen
und multizentrischen Forschungsprojekten.
Hinzu kommen
Fellowships, Hospitationen und
strukturierte Weiterbildungsprogramme
ebenso wie die Mög-
lichkeit, an der Entwicklung von
Leitlinien und der Arbeit internatio-
naler Expertengremien mitzuwirken.
Darüber hinaus bestehen vielfältige
Chancen, Führungsverantwortung
innerhalb einer der bedeutendsten
internationalen wissenschaftlichen
Fachgesellschaften zu übernehmen.
Gerade für junge Dermatologinnen
und Dermatologen können diese
Möglichkeiten von unschätzbarem
Wert sein. Wer bereits zu Beginn
seiner Laufbahn Kontakte zu Kolle-
ginnen und Kollegen in ganz Europa
aufbaut, schafft häufig die Grundlage
für wissenschaftliche Kooperationen,
internationale Weiterbildungsaufent-
halte und spätere Führungsaufgaben.
Ein weiterer wichtiger Aspekt besteht
darin, dass die EADV der Dermatolo-
gie und Venerologie auf europäischer
Ebene eine gemeinsame Stimme
verleiht. Angesichts sich wandelnder
Gesundheitssysteme und des rasan-
ten wissenschaftlichen Fortschritts
wird es immer wichtiger, dass unser
Fachgebiet geschlossen auftritt und
seine Positionen in den Bereichen
Patientenversorgung, Fortbildung,
Forschung und Public Health wir-
kungsvoll vertritt.
24 DISKURS Dermatologie 4 | 2026
Letztlich möchte ich meine deut-
schen Kolleginnen und Kollegen
ermutigen, eine Mitgliedschaft in
der EADV nicht als Alternative zum
nationalen Engagement zu verste-
hen, sondern als dessen konsequente
Erweiterung. Deutschland hat einen
herausragenden Beitrag zur Entwick-
lung der Dermatologie und auch der
EADV geleistet. Durch eine aktive
Mitarbeit in der EADV tragen deut-
sche Dermatologinnen und Dermato-
logen dazu bei, die Zukunft unseres
Fachgebiets in Europa mitzugestalten
und profitieren gleichzeitig vom
Wissen, der Erfahrung und der Zu-
sammenarbeit einer internationalen
Gemeinschaft, die sich einer exzellen-
ten Patientenversorgung verschrieben
hat.
DISKURS Dermatologie
Welche Wünsche haben Sie für die
Zukunft der EADV?
Prof. Sălăvăstru:
Wissen. Anpassen. Fortschritt. Wir
müssen wissen, wie wir die kommen-
den Generationen von Fachkräften
im Gesundheitswesen bestmöglich
ausbilden. Wir müssen uns an eine
neue Ära des technologischen Fort-
schritts und der Künstlichen Intelli-
genz anpassen. Und wir müssen den
Fortschritt einer patientenzentrierten
Gemeinschaft weiter vorantreiben.
Als ich mein Amt antrat, hatte die
EADV 6.815 Mitglieder. Am Ende
meiner Amtszeit waren es bereits
mehr als 13.000. Dieser Erfolg war
nur möglich dank unserem langjäh-
rigen Engagement für Inklusion und
die Stärkung unserer Gemeinschaft,
unserem konsequenten Fokus auf den
dermatologischen Nachwuchs sowie
dem Aufbau einer starken und konti-
nuierlichen digitalen Präsenz.
Ich wünsche mir, dass dieser Weg
fortgesetzt wird. Und ich hoffe,
in wenigen Jahren eine EADV mit
20.000 Mitgliedern zu erleben – eine
moderne, dynamische und wider-
standsfähige Organisation.
DISKURS Dermatologie
Zum Abschluss: Worauf freuen
Sie sich im September in Wien am
meisten? Auf den Kaffee, das per-
fekte Wetter, die Kaiserapparte-
ments in der Hofburg oder doch auf
den Kaiserschmarrn?
Prof. Sălăvăstru:
Wien war für mich schon immer
etwas ganz Besonderes. Ich hoffe,
dass die Stadt in diesem Jahr für mich
noch einmal eine ganz besondere Be-
deutung erhält – nämlich dann, wenn
mich meine Kolleginnen und Kollegen
zur President Elect der EADV wählen
und mir damit die Möglichkeit geben,
die Projekte fortzuführen, die ich
während meiner Amtszeit als Gene-
ralsekretärin begonnen habe.
Und ganz nebenbei: Das Kind in mir
freut sich jedes Mal wieder auf eine
Fahrt mit dem Riesenrad im Prater. T
DISKURS Dermatologie:
Sehr geehrte Frau Prof. Sălăvăstru,
vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte M. Freyer.
