„Vertrauen, Vereinfachung, Versorgung“ – wie moderne Aknetherapie gelingen kann
Interview mit Prof. Dr. med. Claudia Borelli (Tübingen)
Akne zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen weltweit [1] – und dennoch scheitern viele Therapien. Im Interview erklärt Prof. Dr. med. Claudia Borelli, warum Aufklärung, Adhärenz und ein strukturierter Therapieplan entscheidend für den Behandlungserfolg sind, welche Rolle Dermokosmetika spielen und wie Social Media die Patient*innenführung verändert.
Frau Prof. Borelli, was sind aus Ihrer Sicht aktuell die größten Herausforderungen in der Behandlung von Akne – sowohl medizinisch als auch im Umgang mit den Patient*innen?
Prof. Borelli: Medizinisch gesehen verfügen wir mittlerweile über viele wirksame Therapieoptionen. Die Herausforderung liegt eher im richtigen Einsatz und in der Aufklärung:
Viele Patienten orientieren sich an Social-Media-Inhalten oder Wissen aus dem Internet und starten mit falschen Erwartungen. Diese Desinformationen können sich negativ auf die Therapietreue auswirken. Um dem entgegenzuwirken, ist fundierte ärztliche Aufklärung wichtig, von der Auswahl der Therapie bis hin zum Erwartungsmanagement. Nur wer die Behandlung versteht und konsequent anwendet, kann die gewünschten Erfolge erzielen.
Wie stark erleben Sie den Einfluss von Social Media auf Ihre Patient*innen?
Prof. Borelli: Sehr stark. Sowohl junge als auch ältere Patienten sind heute auf Social Media aktiv. Viele bringen konkrete Produktnamen oder Pflegeroutinen mit, die sie bei Influencern gesehen haben. Wenn ich dann innerhalb kurzer Zeit mehrere Patienten mit denselben Produkten sehe, weiß ich: Patienten folgen dem gleichen Content Creator. Unser Ziel muss sein, Vertrauen in die ärztliche Expertise zu stärken und wissenschaftlich fundierte und individuelle Informationen bereitzustellen.
Adhärenz ist ein großes Thema. Warum scheitern manche Aknetherapien Ihrer Erfahrung nach?
Prof. Borelli: Der Grund für das Scheitern von Aknetherapien ist selten die falsche Produktwahl, sondern eine unzureichende oder fehlerhafte Anwendung: zu unregelmäßig, in zu geringer Menge oder mit falschen Erwartungen. Deshalb ist eine fundierte Aufklärung zu Beginn der Behandlung essenziell. Patienten müssen wissen, was sie erwartet – sowohl hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen wie Schuppung oder Rötung als auch bezüglich des Zeithorizonts, bis erste Verbesserungen sichtbar werden. Dermokosmetische Begleitprodukte können therapiebedingte Hautreaktionen abmildern und tragen wesentlich zur Verbesserung der Hautbarriere und des Hautgefühls bei. So lässt sich die Adhärenz deutlich steigern. Wer versteht, was mit seiner Haut geschieht, und das Gefühl hat, aktiv etwas zur Verbesserung beitragen zu können, bleibt der Therapie eher treu.
Wie kann ein geeignetes Pflegekonzept in der Praxis aussehen?
Prof. Borelli: Morgens empfehle ich eine effektive Reinigung mit ausreichend Wasser und Inhaltsstoffen, die talgregulierend und beruhigend wirken. Anschließend folgt bei Bedarf eine hydratisierende Pflege, zum Beispiel mit Niacinamid, das entzündungshemmende Eigenschaften besitzt. Ein gut verträglicher Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50 und nicht fettender Textur rundet die morgendliche Routine ab. Abends wird die medikamentöse Therapie aufgetragen – bei Bedarf oder in der Erhaltungszeit durch eine feuchtigkeitsspendende Pflegecreme ergänzt. Besonders bei medikamentösen Aknetherapien ist es wichtig, Reizungen und Trockenheit gezielt auszugleichen, die Hautbarriere dadurch zu stabilisieren und die Adhärenz zu fördern.
Quelle: La Roche-Posay, Geschäftsbereich der L’Oréal Deutschland GmbH
Literatur
1. Zaenglein AL. Acne Vulgaris. N Engl J Med. 2018 Oct 4;379(14):1343-1352
