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„Die deutsche Dermatologie nimmt weltweit eine Spitzenstellung ein“

Interview mit FOBI-Tagungsleiter T. Ruzicka, München

Unter dem zeitlos aktuellen Motto “Fortschritt durch Fortbildung” findet vom 24. bis 28. Juli 2018 im Internationalen Congress Center München (ICM) die mittlerweile 26. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie – kurz FOBI – statt. Die FOBI gilt als einer der renommiertesten deutschsprachigen Kongresse überhaupt und deckt mit einem umfassenden wissenschaftlichen Programm die gesamte Bandbreite der Dermatologie und angrenzender Fachgebiete ab. Wir sprachen mit Tagungsleiter Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Thomas Ruzicka von der Ludwig-Maximilians-Universität München über seine Erwartungen im Vorfeld der diesjährigen Veranstaltung.

Ästhetische Dermatologie:

Herr Prof. Ruzicka, Sie erwarten wieder viele tausend Teilnehmer aus dem In- und Ausland. Worauf können sich die Besucher der FOBI 2018 besonders freuen, was sind aus Ihrer persönlichen Sicht die Highlights?

Prof. Ruzicka:

Die Fortbildungswoche wird ja seit dem Jahre 1951 ausgerichtet und ständig optimiert und modifiziert, um den Wünschen und Bedürfnissen der Teilnehmer möglichst weit entgegen zu kommen. Ich sehe die Fortbildungswoche insgesamt als ein Highlight an – die Konzentration der praktisch orientierten Fortbildung über den gesamten Bereich der Dermatologie ist weltweit einmalig und spiegelt sich auch in der großen Teilnehmerzahl und dem jahrzehntelangen Erfolg der Tagung wider. Natürlich gibt es ganz aktuelle Highlights wie die unerwarteten und immensen Fortschritte der Dermato-Onkologie, aber wir wollen auch die ganze Bandbreite der klassischen Dermatologie und der angrenzenden Gebiete auf höchstem Niveau ab-decken.

Ästhetische Dermatologie:

Gibt es signifikante Neuerungen in Struktur und Ablauf des Kongresses oder bleibt es weitgehend bei dem bisherigen Format?

Prof. Ruzicka:

In der Tat gibt es signifikante Neuerungen, denn wir wollten den Bedürfnissen der niedergelassenen Kollegen noch stärker entgegen kommen. Sie haben ja unter dem starken wirtschaftlichen Druck oft Probleme, die Praxis für die ganze Woche zu schließen. Somit wurde der Kongress verkürzt und komprimiert und teilweise ins Wochenende gelegt. Wir beginnen jetzt am Mittwoch und schließen die Tagung am Samstag. Diese Veränderung wurde im Organisationskomitee intensiv diskutiert und als diejenige Struktur angesehen, die für die niedergelassenen Kollegen optimal ist.

Ästhetische Dermatologie:

Die dermatologische Forschung umfasst ja ein großes Spektrum an Themen aus Grundlagenforschung sowie klinisch-wissenschaftlicher Forschung. Gibt es hier besonders interessante neue Aspekte bzw. Ergebnisse, die bei der FOBI 2018 in den Fokus gerückt werden?

Prof. Ruzicka:

Die ungemeine Dynamik unseres Faches hält seit vielen Jahren an und hat sich auf dem Gebiet der Dermato-Onkologie noch beschleunigt. Monatlich erscheinen neue, aufregende Publikationen, die sehr rasch in die tägliche Praxis umgesetzt werden. Diese neuen Therapien beim metastasierten Melanom werden sicherlich nicht von den Kollegen in der Praxis selbst durchgeführt, aber sie müssen darüber informiert sein.

Dramatische Entwicklungen – nach jahrzehntelanger Stagnation – ergeben sich auch auf dem Gebiet der Ekzemtherapie. Hier hat die Ära der Biologika begonnen, und dies wird die therapeutische Landschaft mit Sicherheit stark verändern.

Das gleiche gilt auch für die apparativen Therapien, ebenso für neue apparative diagnostische Verfahren, die man unter dem Oberbegriff Bild-gebung oder Imaging zusammenfassen kann.

Ästhetische Dermatologie:

Das Programm der FOBI umfasst auch eine große Anzahl praktischer Kurse. Welche Aspekte bestimmen hier die Auswahl des Angebots? Gibt es aktuelle Trends aus der dermatologischen Praxis, die hier Berücksichtigung finden?

Prof. Ruzicka:

Die Auswahl des Angebots für die praktischen Kurse richtet sich nach den Bedürfnissen der Kollegen in der Praxis und der Klinik. Wir sehen uns kritisch die Resonanz auf die Kurse der vorherigen Tagung an, um ggf. eine Feinsteuerung vornehmen zu können. Dennoch wollen wir, nicht zuletzt aus berufspolitischen Grün-den, auch Gebiete abdecken, die etwas randständig sind, damit diese Gebiete der Dermatologie nicht verloren gehen und die Fachkompetenz er-halten bleibt.

Ästhetische Dermatologie:

Herr Prof. Ruzicka, Sie sind ja selbst seit vielen Jahren in der Forschung aktiv, u.a. was die Entstehung entzündlicher Hautkrankheiten betrifft. Nun bringt das Motto der diesjährigen FOBI – “Fortschritt durch Fortbildung” – ja sehr luzid zum Ausdruck, dass die von der Forschungsgemeinde erzielten Fortschritte letztlich erst in der täglichen diagnostischen und therapeutischen Praxis “vor Ort” zur Wirkung kommen. Wie sehen Sie den Status quo in Deutschland bezüglich dieser immer wieder aufs Neue notwendigen Translation?

Prof. Ruzicka:

Es ist ein beglückendes Gefühl, die dynamische Entwicklung unseres Faches nicht nur mitverfolgen zu können, sondern sogar selbst mitzugestalten, wie bei atopischem Ekzem, Psoriasis, Akne oder Rosazea sowie Autoimmunkrankheiten, aber auch bei der Krebstherapie. Die deutsche Dermatologie nimmt weltweit eine Spitzenstellung ein, die sich auch in verschiedenen Rankings widerspiegelt.

Die von Ihnen angesprochene Translation von den grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnissen hin zur Einführung in die Klinik und Praxis erfolgt in recht kurzer Zeit. Dies kommt besonders gut bei den neuen onkologischen Therapien zum Ausdruck, wo sich die Ereignisse geradezu überschlagen. Aber auch auf dem Gebiet der entzündlichen Krankheiten – denken Sie nur an die zahlreichen aufregenden Biologika bei der Psoriasis und zuletzt beim atopischen Ekzem – profitieren die Dermatologen und ihre Patienten von der rasenden Entwicklung. Manchmal ist es sogar recht schwer, den Überblick zu behalten. Gerade dafür sind große Veranstaltungen wie die Fortbildungswoche notwendig, um sich rasch und profund einen Überblick über das gesamte Fach verschaffen zu können.

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Dermatologen und ihre Patienten in Deutschland in der beneidens-werten Lage sind, dass sie viel früher an neue und wirksame Medikamente herankommen als in anderen Län-dern. Dies ist einerseits der starken Position der deutschen Dermatologie zu verdanken, andererseits aber auch einem Sozialsystem, wie es nur wenige Länder weltweit aufweisen.

Ästhetische Dermatologie:

Sehr geehrter Herr Prof. Ruzicka, vielen Dank für das Gespräch!  •

Das Interview führte K. Dürringer.