Aktuell ÄD

Editorial – ÄD 4

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

auch wenn in diesem Jahr – anders als in den Vorjahren – in Deutschland bis dato nur relativ selten bzw. kurzzeitig die “Hitzeschallmauer“ von 30° Celsius schon im (Vor- )Frühling durchbrochen wurde, ist der schon seit Jahren (fast Jahrzehnten) vieldiskutierte Klimawandel allein schon durch die regelmäßigen “Fridays for Future“ Aktionen protestierender Schülerinnen und Schüler – und neuerdings auch durch die wesentlich radikaleren Anstrengungen der aus Großbritannien kommenden und auch hierzulande Anhänger findenden “Extinction Rebellion“ Bewegung – mehr oder weniger permanent im (wortwörtlichen) Brennpunkt der öffentlichen Diskussion.

Aus dermatologischer Sicht hat der Klimawandel die Konsequenz, dass die sommerliche “Saison des Warnens“ vor den schädlichen Folgen übermäßig häufiger bzw. langer Sonnenexpositionszeiten für die Haut immer früher beginnt und sich evtl. in Zukunft zum “Ganzjahresmantra“ ausdehnen könnte. Auch wenn in den letzten Jahren eine gewisse Sensibilisierung der Bevölkerung für diese Problematik erreicht werden konnte, gibt es immer noch viel zu viele “Sonnenanbeter“, die der Wunsch nach einer “gesunden Bräune“ dazu führt, alle Gebote der Vorsicht und Vernunft zu missachten. Logische Folge dieses Verhaltens ist, dass sich Jahr für Jahr mehr Patienten mit UV-induzierten Hautschäden in den dermatologischen Praxen vorstellen.

Eine der häufigsten dieser Hautschädigungen sind die Aktinischen Keratosen mit einer geschätzten Prävalenz von 6 Millionen Betroffenen allein in Deutschland. Wurde dieser Befund früher häufig unterschätzt, weiß man heute, dass bei bis zu 10% der Patienten eine Transformation von Aktinischen Keratosen hin zu einem invasiven Plattenepithel- karzinom traurige Realität ist. Insofern sind Aktinischen Keratosen in jedem Fall behandlungsbedürftig, und um auch die subklinischen Läsionen therapeutisch zu erfassen, empfiehlt sich oftmals eine Feldtherapie (s.S. xxf ). Und wenn ein adäquater UV-Schutz schon für die hautgesunde Bevölkerung unabdingbar ist, gilt dies natürlich auch und erst recht für Menschen mit Hautkrankheiten, die oftmals besonders empfindlich auf Sonnenlicht reagieren. So stellen für die Millionen von Rosacea-Patienten in Deutschland UV-Strahlen einen besonders häufigen Triggerfaktor für einen Krankheitsschub dar (s.S. xx).

In diesem Sinne: Ich wünsche all unseren Leserinnen und Lesern – und all Ihren Patientinnen und Patienten – eine gut geschützte und damit unbeschwerte und erholsame Sommer- und Urlaubszeit.

Ihr

Reinhard W. Gansel
Schriftleiter Ästhetische Dermatologie