Dermatologisches Video-Tumorboard verbessert die Versorgung
Die Telemedizin ist ein wachsendes Element der medizinischen Versorgung. Notwendige und insbesondere innovative Diagnostik und Therapie stehen hierdurch immer schneller und flächendeckender zur Verfügung. Davon profitieren vor allem Patient*innen im ländlichen Raum. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden engagiert sich für eine bestmögliche regionale medizinische Versorgung und setzt neue Maßstäbe, um Telekonsultationen effektiv umzusetzen.
Das Hauttumorzentrum der Universitäts-Hautklinik ist am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen/UniversitätsKrebs-Centrum Dresden (NCT/UCC) angesiedelt, das Teil des „Netzwerks Onkologische Spitzenzentren“ der sogenannten Comprehensive Cancer Centers (CCCs) ist. Einmal wöchentlich findet hier das dermatologische Tumorboard statt. Dabei diskutiert ein interdisziplinäres Ärzt*innen-Team per Videoschaltung die Fälle ihrer Patient*innen. Daran nehmen Expert*innen aus verschiedenen Fachabteilungen wie der Onkologie, Dermatoonkologie, Radiologie, Pathologie, Chirurgie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin sowie häufig auch aus der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie teil. Der Zugang zu diesem konzentrierten Fachwissen ist auch externen Kolleg*innen möglich und soll im Rahmen des von der Stiftung Deutsche Krebshilfe geförderten nationalen CCC-Verbundprojektes ONCOnnect weiter ausgebaut werden.
Im Bereich der „Qualitätssicherung“ bringen die drei CCC-Standorte Dresden, Bonn und Münster gemeinsam das Teilprojekt Video-Tumorboard PLUS (vTB+) voran. Im Zuge dessen wird eine Beobachtungsstudie durchgeführt, welche eine retrospektive Prä-Phase, eine Erprobungsphase des vTB+ sowie eine anschließende Analyse-Phase umfasst. Neben der Analyse der retrospektiven Daten erfolgt gleichzeitig bereits die Erfassung der prospektiven Daten und die Verbesserung des gesamten Prozesses. Zudem wird ein schematisches Best-Practice-Modell mit Anwendungsbeispielen erstellt, welches es weiteren CCC-Standorten ermöglicht, das Video-Tumorboard PLUS an ihren Standort anzupassen. Ziel ist es, die Anbindung regionaler Versorgungseinrichtungen an die CCCs auszubauen. Dadurch wird den Patient*innen ein besserer Zugang zu neuen Therapiemöglichkeiten wie klinischen Studien, Early-Access-Programmen oder neu zugelassenen Medikamenten ermöglicht. Überdies werden durch das Video-Tumorboard PLUS anhand verschiedener supportiver Screenings die Bedarfe der Patient*innen zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten ermittelt.
Das Hauptaugenmerk liegt zum einen auf der Optimierung der Prozesse, um den niederschwelligen Zugang zum Tumorboard für Ärzt*innen außerhalb des Hauttumorzentrums zu erleichtern. Dazu ist es notwendig, Schwachstellen zu identifizieren, Abläufe zu standardisieren sowie sich wiederholender Aufgaben zu automatisieren und technische Hürden abzubauen. Infolgedessen erhalten die externen Ärzt*innen Unterstützung sowohl bei der Anmeldung der Patient*innen zum Tumorboard als auch bei der Datenübertragung. Die externen Ärzt*innen werden in den Ausbau des Video-Tumorboard PLUS involviert, sodass die Bedarfe der Zielgruppe entsprechend Berücksichtigung finden und Verbesserungen etabliert werden können. Zum anderen ist es ausschlaggebend, die Zeitspanne bis zum Beginn der Therapieentscheidung und -einleitung möglichst gering zu halten. Dazu zählt auch die Anbindung an eine palliative Versorgung.
Generell können externe Ärzt*innen ihre Patient*innen über die Webseite des NCT/UCC anmelden. Im Zuge des Verbundprojektes ONCOnnect werden Praxen und regionale Krankenhäuser, die Hautkrebspatient*innen versorgen, über einen Kooperationsvertrag einbezogen. Der Vorteil für die teilnehmenden Ärzt*innen ist die zeitnahe Therapieempfehlung aus dem vTB+, welche meist binnen einer Woche erfolgt. Darüber hinaus können bei Bedarf weitere Beratungen durch Expert*innen des NCT/UCCs stattfinden, ohne dass die Patient*innen die Behandler*innen wechseln müssen. Es besteht grundsätzlich nicht die Absicht, die Patient*innen in das NCT/UCC zu übernehmen, sondern eine bessere Zusammen- arbeit mit den jeweiligen regionalen Behandlungspartnern zu fördern.
Autorin: Univ.-Prof. Dr. Friedegund Meier, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
