Komplikationen in der Intimchirurgie nehmen zu
Frau Dr. med. Pirkko Schuppan (Köln), Präsidentin der Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland e.V. (GAERID), registriert eine deutliche Zunahme in den letzten fünf Jahren an Patientinnen mit Komplikationen nach Intimoperationen. Frau Dr. Schuppan: „Mich beunruhigt die dramatische Zunahme an Pfuschoperationen. Besonders bei Labienverkleinerungen gehen die Korrekturzahlen jährlich nach oben.“ Frau Dr. Schuppan macht auch die Ursache aus: unerfahrene oder nicht spezialisierte Behandler.

Frau Dr. Schuppan, ästhetisch-plastische Chirurgin mit Schwerpunkt Intimchirurgie, schätzt, dass sich die Anzahl der Korrekturanfragen in Deutschland seit 2020 verdoppelt hat und nennt Zahlen aus der eigenen Praxis, die sich mit denen von Kolleginnen und Kollegen decken: „Im Vergleich zu 2023 nahm die Zahl der Patientinnen mit einem Korrekturwunsch nach missglückter Vorbehandlung in 2024 über 30 Prozent zu.“ Die Expertin sieht ein großes Problem darin, dass intimchirurgische Eingriffe nicht zentral erfasst werden müssen.
Seelische Belastung oft das Schlimmste
Frau Dr. Schuppan hört auch von Kolleginnen und Kollegen, dass bei Patientinnen neben der optischen Enttäuschung oft funktionelle Probleme einhergehen, bis hin zu starken seelischen Belastungen. „Optische Ergebnisse können wir meistens korrigieren. Bei funktionellen Problemen wird es deutlich schwieriger. Die seelischen Belastungen sind für Patientinnen das Schlimmste.“
Welche vier Eingriffe besonders oft vorkommen
Manche Eingriffe, wie Labienkorrekturen, tauchen im Ranking der intimchirurgischen Korrekturen überproportional oft auf.
• An erster Stelle registriert Frau Dr. Schuppan die inneren Labien: „Die zu große und ungleiche Entfernungen der Labien sehe ich jede Woche in der Praxis. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind die Folge. Das können Experten gut korrigieren.“
• An zweiter Stelle erscheint wieder die Labienverkleinerung. Diesmal ist es nicht die fehlerhafte operative Entfernung, sondern die Komplikation durch Verklebung und Vernarbung der Wunden, was zu unästhetischen oder funktionellen Problemen führt. Frau Dr. Schuppan: „Eine Operation endet nicht nach der Narkose, sondern nach dem fertigen Endergebnis.“
• An Position Drei nennt Frau Dr. Schuppan die Vulva-Deformierung, also eine Schädigung des gesamten Intimbereichs. Die Ursache dafür ist Frau Dr. Schuppan klar: „Wer die Individualität der Anatomie nicht beachtet, sondern nach Schema-F arbeitet, kann zu keinem guten Ergebnis kommen.“
• Als Nummer Vier sieht die Chirurgin die gleichzeitige Korrektur von inneren und äußeren Schamlippen: „Gute Ergebnisse brauchen Zeit und manchmal zwei Eingriffe statt nur einen. Passen
die unterschiedlichen Eingriffe am Ende nicht zusammen, brauchen wir Experten mehrere Operationen, das zu korrigieren.“
Ursachen der intimchirurgischen Komplikationen
„Intimchirurgie benötigt Knowhow und Erfahrung“, so die GAERID-Präsidentin, und ergänzt: „Wir als Fachgesellschaft sehen besorgt auf die steigende Zahl von Anbietern, die nicht die erforderliche Qualifikation vorweisen. Theoretisch darf ein Zahnarzt eine Schamlippenkorrektur durchführen.“ Frau Dr. Schuppan nennt drei Ursachen:
• mangelnde Spezialisierung und Erfahrung der Operateure,
• Fehleinschätzung der weiblichen Anatomie,
• veraltete Operationstechniken.
Quelle: Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland e.V.
