Plastische Chirurgie

„Wir haben eine ethische Verpflichtung“

Interview mit Wolfgang Steimel, CEO POLYTECH Health & Aesthetics

Wir sprachen mit Wolfgang Steimel, CEO bei POLYTECH Health & Aesthetics, über die aktuelle BIA-ALCL-Debatte, die Wichtigkeit von Transparenz auf dem Implantate-Markt und medizinische Partnerschaft auf Augenhöhe

MÄC:

Herr Steimel, seit der Entscheidung der ANSM, makrotexturierte und mit Polyurethanschaum/PU beschichtete Implantate auf dem französischen Markt zu verbieten, steht das Thema BIA-ALCL im Fokus des Interesses. Welche Position beziehen Sie – als Vertreter des einzigen deutschen Herstellers von Brustimplantaten – in dieser Debatte?

W. Steimel:

Als Unternehmen, das mit 100%- Kontrollen im Herstellungsprozess, CE-Zertifizierung und Produkten “Made in Germany“ für Qualität und Sicherheit steht, haben wir eine ethische Verpflichtung gegenüber unseren Patientinnen und garantieren deshalb transparente Aufklärung zu dieser Thematik. Im Sinne der Patientensicherheit und -zufriedenheit sind wir froh, dass die Vorwürfe gegenüber texturierten und PU-beschichteten Implantaten mittlerweile auch seitens der US-amerikanischen FDA entkräftet wurden. Denn bis heute gibt es keinen wissenschaftlich fundierten Beweis über den Entstehungs- und Entwicklungsprozess von BIA-ALCL oder einen Zusammenhang mit der Implantat-Oberfläche. Zumal in Studien eben auch viele Fälle bei der Verwendung von nachweislich glatten Implantaten nachgewiesen wurden.

MÄC:

Sie sehen das Verbot in Frankreich also kritisch?

W. Steimel:

Ja, und zwar vor allem deshalb, weil Chirurgen und Patientinnen in unserem Nachbarland als Folge der ANSM-Entscheidung nur noch eine sehr begrenzte Implantat-Auswahl zur Verfügung haben und den Ärzten die Möglichkeit genommen wurde, sichere und optimale Behandlungsergebnisse im Sinne ihrer Patientinnen zu erzielen. Wir erhalten häufig Anrufe von französischen Plastischen Chirurgen, die um Hilfestellung bitten, die Situation mit der ANSM zu besprechen und Wege zu einer Lösung zu erarbeiten.

MÄC:

Das heißt, POLYTECH wird künftig weiterhin die komplette Produktpalette mit mehr als 1.500 Implantat- Varianten anbieten?

W. Steimel:

Ganz genau. Ergänzend zu unseren Implantaten mit Silikon-Oberfläche, die es in glatt und mit zwei verschiedenen Mikrotexturierungen gibt, und den neuen Lightweight B-Lite®- Implantaten werden wir auch unsere mit PU-beschichteten Implantate weiter produzieren, die nach Aussage vieler wissenschaftlich belegter klinischer Studien absolut sicher sind und nachweislich für die niedrigste Komplikationsrate vor allem im Hinblick auf Kapselkontrakturen sorgen. Im Sinne unserer Patientinnen halten wir Patientenaufklärung, nicht nur zu BIA-ALCL, sondern zu allen möglichen Komplikationen für essentiell. Dazu gehört auch, dass die Patientin aus einer Vielfalt von Implantaten wählen kann, um sich in enger Absprache mit ihrem Arzt für den für sie passenden Implantat-Typ entscheiden zu können.

MÄC:

Sie haben die neuen B-Lite®- Implantate erwähnt. Was genau sind die Vorteile dieses innovativen Implantat-Typs und für welche Zielgruppe sind sie geeignet?

W. Steimel:

Diese Frage kann ich Ihnen ganz aktuell aus Sicht der Anwender beantworten, da wir auf dem VDÄPC- Kongress erst kürzlich eine Befragung unter plastisch-ästhetischen Chirurgen durchgeführt haben. Sie hat ergeben, dass es vor allem Mütter post partem und zudem sportliche Frauen sind, die grundsätzlich den Wunsch nach einer Brust-OP äußern. Und gerade für sie sind die ultraleichten B-Lite®-Implantate besonders geeignet: Dieser Zielgruppe geht es nicht um die Größe, sondern um eine individuell modellierte Brust, die zum Körper der Patientin und ihrem aktiv gestalteten Lebensumfeld passt und der Gesunderhaltung des Körpers dienlich ist. Dementsprechend sehen die von uns befragten Ärzte den größten Vorteil der B-Lite®- Implantate darin, dass sie das Gewebe der Patientin entlasten, während sie erst an zweiter Stelle die Realisierbarkeit eines größeren Implantatvolumens als Grund für den Einsatz dieses innovativen Implantat-Typs angeben. Grundsätzlich sind die wesentlich leichteren Implantate für jede Patientin geeignet, da alle von einer Gewichtsreduktion von bis zu 30% pro Implantat profitieren.

MÄC:

Der Austausch auf Augenhöhe mit und zwischen Ärzten und Chirurgen sowie innovative Forschung werden bei POLYTECH ja großgeschrieben. Können Sie hierfür ein paar Beispiele nennen?

W. Steimel:

Im Fortbildungs-Bereich setzen wir unter anderem auf Masterclass Meetings mit Live-OPs, um professionelle Exzellenz in der chirurgischen Praxis weiterzutragen, und sind auf Fachkongressen mit Expertenvorträgen vertreten. Wir organisieren jedes Jahr sehr viele operative Workshops mit Live-OPs in allen Regionen der Welt. Vor allem auch jüngeren Chirur- gen bietet sich so die Gelegenheit, von der langjährigen Expertise erfahrener Kollegen zu profitieren, das eigene Können noch weiter zu optimieren und wertvollen Input zu aktuellen Fachthemen und Soft Skills zu bekommen. Denn gerade auch dann, wenn es um innovative Produktentwicklung geht, ist ein intensiver Austausch und vertrauensvolle Partnerschaft zwischen allen Beteiligten unerlässlich, um im Sinne der Patientinnen sichere und zukunftsweisende Innovation auf den Weg zu bringen.

MÄC:

Innovation und Education sind demnach Bereiche, in die POLYTECH kontinuierlich investiert?

W. Steimel:

Auf jeden Fall. Wir investieren sukzessive in klinische Studien, die Entwicklung neuer Produkte und die Einführung neuer Produktions-Technologien. Diese Investitionen in Höhe von ca. 8% des Umsatzes stehen stellvertretend für eines der vorrangigen Ziele von POLYTECH, nämlich Innovation und Qualität in unserem Markt voranzutreiben.

MÄC:

Inwiefern wirken sich Investitionen wie diese auf den Umsatz aus?

W. Steimel:

Im vergangenen April hatten wir den besten Monatsumsatz aller Zeiten und sind sicher, dass das kontinuierlich gute Wachstum auf die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Kunden, auf eine hohe Patientenzufriedenheit sowie die Tatsache zurückzuführen ist, dass gerade in Zeiten der Unsicherheit “Made in Germany“ und ein außerordentliches Engagement in allen Bereichen mit einer soliden Performance einen enorm großen Stellenwert genießen.

MÄC:

Sehr geehrter Herr Steimel, vielen Dank für das Gespräch!

Über POLYTECH

Seit 2016 ist Wolfang Steimel CEO bei der POLYTECH Health & Aesthetics GmbH, die 1986 in Dieburg gegründet wurde und heute zu den weltweit führenden Unter- nehmen in den Bereichen Entwicklung und Produktion von Silikonimplantaten gehört. Der Schwerpunkt des einzigen deutschen Herstellers liegt auf Brust- implantaten, die in der ästhetisch- plastischen sowie in der rekonstruktiven Chirurgie eingesetzt werden. Alle Pro- dukte werden ausschließlich am Unter- nehmensstandort Dieburg in Hessen entwickelt und unter Reinraumbedingun- gen produziert. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile mehr als 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist in weltweit über 75 Ländern aktiv.

Weitere Informationen unter:

www.polytechhealth.com