Psoriasis

„PeakPASI Predict“: Was der PASI (vielleicht) noch verrät

Interview mit PD Dr. Dr. Alexander Zink, München

PD Dr. Dr. Alexander Zink ist Dermatologe an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München. Seine Untersuchung mit dem Titel: „PeakPASI Predict. Analyse des klinischen Schweregrades der Psoriasis gemessen mit dem PeakPASI als Prädiktor für das Therapieansprechen und patienten- spezifische Komorbiditäten, sowie einer daraus resultierenden psychosozialen Belastung“ wurde kürzlich auserkoren, die diesjährige Forschungsförderung des DPB (Deutscher Psoriasis Bund e.V.) zu erhalten. Im Interview erläutert Dr. Zink sein hochinteressantes Projekt.

Herr Dr. Zink, Sie forschen an einem sehr spannenden Thema; Sie nennen es „PeakPASI Predict“. Können Sie in einfachen Worten erläutern, worum es dabei genau geht?

Dr. Zink:

PASI ist ja ein Messinstrument, um die Schwere der Psoriasis zu bestimmen. „Peak“ ist das englische Wort für „Spitze“. Der PeakPASI ist also der höchste jemals gemessene PASI- Wert bei einer Patientin oder einem Patienten. Und „Predict“ bedeutet Vorhersage.

Sie wollen also mit Ihrer Studie herausfinden, ob die Schwere der Psoriasis-Erkrankung weitere Vorhersagen erlaubt?

Dr. Zink:

Richtig. Wir untersuchen, ob der PeakPASI Schlüsse darüber zulässt, ob eine Person gut oder schlecht auf verschiedene Therapien anspricht, ob sie ein erhöhtes Risiko hat, Begleiterkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Suchterkrankungen oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen zu entwickeln, und ob das für diese Person eine besonders hohe Krankheitslast bedeutet.

Wie sind Sie auf diese Forschungsfrage gekommen?

Dr. Zink:

Meine Ideen kommen aus der praktischen Arbeit in der Klinik. Denn
bei all meinen Fragestellungen stehen immer die Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt. Dabei ist mir aufgefallen, dass es Personen gibt, die man gut auf ein Psoriasis-Medikament einstellen kann. Andere hingegen stellt man erfolglos auf Medikament eins ein, dann auf Medikament zwei, dann auf Medikament drei und vier und fünf. Bei ihnen dauert es sehr lange, bis man eine Therapie gefunden hat, die für Betroffene und Behandler zufriedenstellend ist.

Außerdem entwickeln manche Patientinnen und Patienten verschiedene Begleiterkrankungen gleichzeitig, andere überhaupt keine. Und dann gibt es noch die Gruppe Patientinnen und Patienten, die nach der Einstellung auf ein Medikament über viele Jahre erscheinungsfrei bleiben, während es anderen nach einiger Zeit wieder schlechter geht.

Und Sie glauben, dass der PeakPASI eine Aussage darüber zulässt, ob Patientinnen und Patienten eher ein besseres bzw. schlechteres Thera- pieansprechen haben, weniger bzw. mehr zu Begleiterkrankungen neigen und weniger bzw. mehr unter ihrer Erkrankung leiden als andere?

Dr. Zink:

Noch ist es nur eine Vermutung, aber ja, ich glaube, dass der PeakPASI eine entsprechende Aussage erlaubt. Dazu inspiriert haben mich auch meine Arbeiten in der HIV-Medizin, die traditionell auch ein Teil der Dermatologie ist. Kernproblem einer HIV-Infektion ist die durch die Erkrankung hervorgerufene Immunschwäche, vor allem ausgedrückt durch die Anzahl der im Blut gemessenen T-Helferzellen, auch CD4-Zellen genannt. Je niedriger die CD4-Zellen bei einer Patientin oder einem Patienten dabei sind, desto geschwächter ist ihr oder sein Immunsystem. Der tiefste jemals bei einer Patientin oder einem Patienten gemessene Wert wird dabei als Nadir bezeichnet. Das interessante dabei ist, dass der CD4-Nadir einer Person ein ganz erheblicher Prädiktor für den Therapieverlauf und das Auftreten von HIV-assoziierten Erkrankungen auch noch nach vielen Jahren und Jahrzehnten ist, auch wenn eine hocheffektive Therapie erfolgreich durchgeführt wird. Der CD4-Nadir bleibt praktisch ein lebenslanger Risikofaktor für Betroffene, auch wenn sich die CD4-Zellen nach erfolgreicher Therapie wieder normalisiert haben.

Diese Erkenntnis haben Sie auf die Psoriasis übertragen?

Dr. Zink:

Genau! Ich bin überzeugt davon, dass Personen mit einem hohen PeakPASI insgesamt schlechter auf verschiedene Therapien ansprechen und ein größeres Risiko haben, Begleiterkrankungen zu entwickeln, als Personen mit einem niedrigen PeakPASI.

Inwiefern könnte diese Erkenntnis den Patientinnen und Patienten mit Psoriasis helfen?

Dr. Zink:

Es wird irgendwo einen Cut-off geben. Das ist der Toleranzwert, der festlegt, ob eine Person mit Psoriasis zu der einen oder zu der anderen Gruppe gehört. Wenn es so einen Cut-off gibt, kann er Dermatologinnen und Dermatologen darauf hinweisen, welche Patientinnen und Patienten gefährdeter sind und deshalb engmaschiger betreut und auf verschiedene Begleiterkrankungen gescreent werden sollten. Auf der anderen Seite könnten Patientinnen und Patienten, deren PeakPASI unterhalb des Cut-off liegen, für beide Seiten, Patient und Arzt, weniger aufwändig und zeitintensiv betreut werden. Hier könnte die eine oder andere Sprechstunde beispielsweise durch Telemedizin erfolgen.

Telemedizin ist heute von der Politik sehr gewollt, oder?

Dr. Zink:

Das stimmt, und ich denke auch, dass die Telemedizin uns alle ganz hervorragend unterstützen wird. Gleichzeitig muss man natürlich immer von Fall zu Fall unterscheiden, denn nicht bei jeder Patientin und jedem Patienten eignet sich das Verfahren gleich gut. Bei Menschen mit sehr hohem PeakPASI könnte man bei einer rein telemedizinischen Versorgung z.B. leichter etwas übersehen, vor allem auch in Bezug auf Begleiterkrankungen.

Sie haben mit Ihrer Studie ja bereits begonnen. Gibt es erste Ergebnisse?

Dr. Zink:

Wir sind noch mittendrin, da sich durch Corona leider alles etwas nach hinten verschoben hat. Deshalb gibt es zwar zum jetzigen Zeitpunkt noch keine präsentierbaren Ergebnisse, aber nach allem, was wir bisher gesehen haben, lässt sich sagen: Es passt wunderbar zu meiner Ausgangsidee. 􏰀

Das Interview führte Anette Meyer. Quelle: PSO Magazin 4/2020

Die DPB Forschungsförderung

Dem Deutsche Psoriasis Bund e.V. (DPB) liegt es am Herzen, die medizinische Versorgung von Psoriasis- Patientinnen und Patienten zu verbessern. Deshalb unterstützt der Verein seit 2003 Forschungsvorhaben, die sich mit Themen von hoher Relevanz für Patientinnen und Patienten mit Psoriasis und/oder Psoriasis-Arthritis (PsA) sowie deren Begleiterkrankungen beschäftigen. Die DPB-Forschungsförderung ist mit 15.000 Euro dotiert und wird im Jahr 2020 von der Novartis Pharma GmbH finanziell unterstützt.