Rheumatologie

Highlights vom EULAR 2025

Ein virtueller Post-EULAR-Posterwalk der Fa. Biogen bot einen kompakten Überblick zu praxisrelevanten Erkenntnissen des diesjährigen EULAR-Kongresses (11.–14. Juni 2025, Barcelona). Prof. Dr. Frank Buttgereit, Charité – Universitätsmedizin Berlin, präsentierte ausgewählte Studien zu Early Treatment, Strategien bei schwierigen Verläufen und neuen Wirkoptionen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen vor.

Frühzeitige Anti-TNF-Therapie verbessert Langzeitergebnisse bei früher RA

Die langfristige Prognose bei rheumatoider Arthritis (RA) hängt wesentlich vom frühzeitigen Therapiebeginn und der initialen Behandlungsstrategie ab. Eine Auswertung der Leeds Inflammatory Arthritis Continuum Kohorte zeigte, dass eine frühe Anti-TNF-Therapie gegenüber einer Standardbehandlung mit csDMARDs klare Vorteile bietet [1,2]: Nach fünf Jahren war der Anteil schwer behandelbarer Verläufe (difficult-to-treat, D2T) signifikant geringer (0,9% vs. 7%), medikamentenfreie Remissionen traten häufiger auf (13,2% vs. 6,1%). Auch nach zehn Jahren blieben Remissionsraten höher (61,7% vs. 45,2%) und der Bedarf an Zusatzmedikation niedriger. [1] Buttgereit betonte die klinische und ökonomische Relevanz dieser Ergebnisse.

Psychische Faktoren als Eskalationsprädiktoren

In der Canadian Early Arthritis Cohort (CATCH) erwiesen sich Angstzustände drei Monate nach Beginn einer Methotrexattherapie als starker Prädiktor für höhere Krankheitsaktivität und Eskalation auf Biologika oder JAK-Inhibitoren [2]. 41% der Patient*innen berichteten zu diesem Zeitpunkt Angstzustände, verbunden mit schlechteren CDAI-Werten. Sie hatten eine 3-5-fach höhere Wahrscheinlichkeit für eine Therapieumstellung innerhalb von 12 oder 24 Monaten. Depression, Müdigkeit oder Schmerz spielten keine signifikante Rolle. Die Daten unterstreichen die Bedeutung des frühen Erkennens psychischer Belastungen.

Malignomrisiko unter DMARDs

RABBIT-Registerdaten zeigten kein erhöhtes Risiko für neue oder wiederkehrende Malignome unter DMARDs im Vergleich zu TNF-Inhibitoren. [3] Eine weitere Analyse wies jedoch auf ein leicht erhöhtes Krebsrisiko unter JAKi nach >16 Monaten hin (HR 1,40), vor allem bei ≥ 60-Jährigen mit hoher Krankheitsaktivität. [4] Das absolute Risiko bleibt gering, erfordert jedoch eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung sowie gezielte Überwachung.

pJIA: Erfolge auch nach Therapiewechseln

Eine Auswertung der Daten des deutschen BiKeR-Registers von 2.341 Kindern und Jugendlichen mit polyartikulärer juveniler idiopathischer Arthritis (pJIA), die mindestens ein Biologikum oder einen JAKi erhalten hatten, zeigte, dass gute Behandlungsergebnisse (minimale Krankheitsaktivität, Remission) nicht nur in der Erstlinientherapie, sondern auch nach mehreren Therapiewechseln erreichbar sind [5]. Etanercept war am häufigsten Erstlinientherapie, gefolgt von Adalimumab in zweiter und Abatacept/Infliximab in späteren Linien.

Neue Therapieoption bei SLE

Mit Dapirolizumab Pegol (DZP) rückt ein neuer CD40/CD40L-Hemmer in den Fokus. [6,7] In einer Phase-III-Studie erreichten Patient*innen mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) unter DZP signifikant häufiger Remission (DORIS: 19,2% vs. 8,4%) oder niedrige Krankheitsaktivität (LLDAS: 40,9% vs. 19,6%) als unter Placebo – bei insgesamt guter Verträglichkeit [7].

Fazit: Frühes Eingreifen entscheidend für Therapieerfolg

Die präsentierten Daten belegen, wie stark eine frühzeitige, individuell angepasste Therapie den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Die aktualisierten EULAR-Empfehlungen für RA unterstreichen diesen Ansatz: In Phase II der Behandlung wird keine Stratifizierung nach prognostischen Faktoren mehr empfohlen. Stattdessen gilt es, früh gezielt zu therapieren und bei ausbleibendem Ansprechen konsequent die Therapie zu wechseln. [8]

Quelle: Virtueller Post-EULAR-Posterwalk „Zukunftsperspektiven in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen – Neues vom EULAR“, 23. Juli 2025; Veranstalter: Biogen GmbH

Literatur

1. Toyoda T, et al. Poster (POS0027). Ann Rheum Dis. 2025;84(S1):342.

2. Bartlett SJ, et al. Poster (POS0163). Ann Rheum Dis. 2025;84(S1):450-451.

3. Schaefer M, et al. Poster (POS0506). Ann Rheum Dis. 2025;84(S1):722.

4. Schaefer M, et al. Beobachtungsstudie. Ann Rheum Dis. 2025. doi:10.1016/j.ard.2025.05.014.

5. Zimmer A, et al. Poster (POS1059). Ann Rheum Dis. 2025;84(S1):1157-1158.

6. Rowley T, et al. Poster (POS1003). Ann Rheum Dis. 2025;84(S1):1115.

7. Morand E, et al. Vortrag (OP0201). Ann Rheum Dis. 2025;84(S1):167-168.

8. Smolen JS, et al. Vortrag. EULAR 2025; 14 Jun 2025.