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Editorial – Ästhetische Dermatologie Ausgabe 3-2019

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

wie so viele – und bei genauerer Betrachtung eigentlich fast alle – Begriffe der deutschen (oder irgendeiner anderen) Sprache, hat auch der Begriff der “Ästhetik“ für verschiedene Benutzer desselben zwar im weitesten Sinne verwandte, aber in der Essenz doch nicht unerheblich divergierende Bedeutungen. Wenn man auf der Suche nach einer klaren diesbezüglichen Definition den Duden zu Rate zieht, kommt man auch nicht wirklich weiter, denn dessen Angebote – 1. Wissenschaft, Lehre vom Schönen; 2. das stilvoll Schöne; Schönheit; 3. Schönheitssinn – ersetzen im Prinzip den einen schillernden, höchst subjektiven Begriff (“Ästhetik“) nur durch einen anderen, mindestens ebenso schillernden und subjektiven (“Schönheit“).

Auf die Anliegen unseres Fachmagazins mit dem schönen Namen Ästhetische Dermatologie angewendet, birgt diese Vieldeutigkeit von Sprache naturgemäß ebenfalls das Potential für Missverständnisse bzw. perspektivische Verengungen, da die meisten Personen – Laien ebenso wie Fachleute –, mit diesem Hefttitel konfrontiert, zuallererst an “klassische“ ästhetische Behandlungen und Prozeduren wie z.B. Botox, Filler, Lifting, Lipolyse, Laser, Anti-Aging etc. denken – was ja auch in keiner Weise falsch ist und den Kern der hier behandelten Themen trifft. Jedoch sind aus Patientensicht diese Behandlungen, bei denen es zumeist (nicht immer) um die ästhetische Optimierung des eigenen Erscheinungsbildes geht, keineswegs die einzigen Fälle, bei denen die Ästhetik von zentraler Bedeutung für den angestrebten Behandlungserfolg ist; dies ist ebenso gegeben bei Behandlungen, bei denen es (meist neben der Bekämpfung weiterer Symptome) um die ästhetische Normalisierung des eigenen Erscheinungsbildes geht. Dies ist der Grund, warum aus unserer Sicht u.a. auch eine Krankheit wie die Psoriasis Raum in Ästhetische Dermatologie bekommen darf und muss – wie in der vorliegendenden Ausgabe im Sonderteil “SPEKTRUM: Psoriasis“ (s.S. 27ff ).

Dort erfahren wir zum Beispiel, dass bei dieser oftmals noch unter dem älteren Begriff Schuppenflechte bekannten Autoimmunkrankheit, die klinisch u.a. durch stark schuppende und juckende Hautstellen imponiert, der Patientenwunsch, “keinen Juckreiz zu haben“, quasi gleichauf liegt mit dem Wunsch, “sich wieder mehr zeigen zu können“ – also einem im engeren Sinne ästhetischen Anliegen. Und in einem anderen Artikel wird der Fall einer 52-jährigen Dame beschrieben, die, nach jahrzehntelanger therapeutischer Frustration, dank Biologikatherapie erstmals wieder so gut wie erscheinungsfrei ist – und im Gespräch mit dem Behandler vor allem für den Zugewinn an Lebensqualität dankbar ist, der daher rührt, dass sie im Sommer nun wieder “kurze Kleidung tragen kann“. Wir sehen: Ein ästhetischer Zugewinn drückt sich nicht nur in dem manchmal uferlos wirkenden Willen zur Selbstoptimierung (über das Normalmaß hinaus) aus, sondern auch (und erst recht) in dieser Sehnsucht zur Rückkehr in eine beglückende Normalität.

Ihr

Reinhard W. Gansel

Schriftleiter Ästhetische Dermatologie