Rheumatoide Arthritis

Prävention von Rheumatoider Arthritis bei Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko

Bislang werden rheumatische Erkrankungen als chronische Erkrankungen angesehen, die die betroffenen Patient*innen oft lebenslang begleiten. Aktuelle Studien weisen nun darauf hin, dass eine gezielte Frühintervention bei Personen mit erhöhtem Risiko für die Entwicklung von Rheumatoider Arthritis (RA) das Auftreten von Symptomen und Schäden an Gelenken möglicherweise verhindern oder zumindest verzögern kann. Allerdings ist es derzeit noch nicht möglich, diese Risikopatient*innen für eine Behandlung vor Krankheitsausbruch zuverlässig zu identifizieren.

Mehrere internationale Studien befassten sich zuletzt mit der Frage, inwieweit Patient*innen mit einem hohen Risiko für eine rheumatoide Arthritis von einer vorbeugenden medikamentösen Behandlung profitieren. „Perspektivisch könnten diese Erkenntnisse die Behandlung von Menschen mit Rheuma grundlegend verändern, da Erkrankungssymptome schon vor Ausbruch verhindert werden können“, sagt Prof. Dr. med. Andrea Rubbert-Roth, Leitende Ärztin und stellvertretende Leiterin der Klinik für Rheumatologie am Kantonsspital St. Gallen (Schweiz). Risikopersonen lassen sich jedoch derzeit noch nicht verlässlich identifizieren. „Wir kennen zwar die Auslöser – etwa das Rauchen oder Feinstaubbelastung – und wissen auch, dass sie Rheuma fördernde Faktoren im Blut verursachen. Wenn Betroffene zum Zeitpunkt der Messung keine muskuloskelettalen Beschwerden aufweisen, bedeutet der Nachweis aber nicht zwangsläufig, dass diese Personen später eine rheumatoide Arthritis entwickeln werden“, erläutert die Expertin.

Eine niederländische Studie hat Methotrexat (MTX), ein etabliertes Medikament zur Behandlung von RA, als potenziellen präventiven Ansatz untersucht. Es wurde Proband*innen verabreicht, die bereits unter nicht-entzündlichen Gelenkschmerzen litten. Während MTX das Auftreten klinischer RA-Symptome nicht vollständig verhinderte, legen die Studienergebnisse nahe, dass das Medikament den frühen Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen kann.

Eine noch vielversprechendere Strategie setzt auf das Medikament Abatacept. Neue Studien zeigen, dass eine frühzeitige Behandlung mit Abatacept bei Personen, die muskuloskelettale Beschwerden aufweisen und entzündliche Veränderungen in bildgebenden Untersuchungen (MRT) zeigten, das Auftreten von RA-Symptomen reduzieren kann. Die in Deutschland durchgeführte ARIAA-Studie ergab, dass Abatacept signifikant seltener zur Entwicklung einer klinischen RA führte und die entzündlichen Veränderungen im MRT verringerte. Nach 18 Monaten, also 12 Monate nach Ende der Therapie, wurde eine RA nur bei 35% der Abatacept-Patienten, jedoch bei 57% der Placebo-Patienten beobachtet. Auch die MRT-Ergebnisse waren besser nach einer 6-monatigen Therapie mit Abatacept. „Gegenüber der Studie mit MTX waren hier Proband*innen eingeschlossen, die aufgrund mehrerer Faktoren ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko hatten, was dem Ergebnis große Aussagekraft verleiht“, resümiert Rubberth-Roth. Abatacept blockiere die T-Zellen, die bei der frühen RA eine wesentliche Bedeutung haben. Beide Studien sind noch nicht als Vollpublikation erschienen.

Die APIPPRA-Studie, die in Großbritannien und den Niederlanden stattfand, bestätigte diese vielversprechenden Ergebnisse und unterstreicht die gute Verträglichkeit einer frühen Intervention bei Hochrisikopatienten. Die langfristige Wirksamkeit dieser Behandlungsansätze wird derzeit weiter erforscht.

„Die Möglichkeit, das Auftreten von Rheumatoider Arthritis zu beeinflussen, eröffnet den betroffenen Personen neue Perspektiven auf eine verbesserte Lebensqualität. Entscheidend wird aber sein, Risikopatient*innen zu erkennen und den richtigen Zeitpunkt für den Start einen präventiven Behandlung auszumachen. Denn jede medikamentöse Behandlung bringt auch Belastungen mit sich“, sagt Prof. Dr. med. Christoph Baerwald, Kongresspräsident der DGRh und emeritierter Leiter der Abteilung Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie

Literatur

1. Krijbolder DI et al. Lancet 2022; 400: 283-294.

2. Rech J et al. Arthritis Rheumatol 2022; 74 (suppl 9).

3. Cope A et al. Ann Rheum Dis 2023, doi 10.1136/annrheumdis-2023-eular.1751