Ästhetische Dermtologie

Aussehen wie ein „verbessertes Ich“?

Bearbeitete Selfies und Instagram-Stars als Vorlagen für Behandlungen

Beim Blick in den Spiegel findet wohl jeder kleine Makel, die ihn persönlich stören: Eine zu große Nase, zu schmale Lippen, Augenringe oder zu wenig ausgeprägte Wangenknochen. Während Menschen ab 30 erste Alterserscheinungen minimieren möchten, liegt der Fokus der 18- bis 25-Jährigen eher darin, das eigene Aussehen zu optimieren. Einige wollen so aussehen wie ihre Instagram-Vorbilder, andere definieren ihre Wünsche anhand bearbeiteter Selfies. Doch wie gehen Behandler mit dem Wunsch dieser Patientengruppe richtig um?

Die Influencer auf den diversen Social-Media-Kanälen lächeln perfekt gestylt von den Smartphones der jungen Generation. Schnell entsteht bei den Followern der Eindruck eines perfekten Lebens der Instagram- Stars. Die jungen Menschen vergessen dabei jedoch, dass es sich bei den veröffentlichten Bildern keinesfalls um spontane Schnappschüsse handelt – auch wenn die Fotos so wirken sollen. Hinter den Veröffentlichungen verbergen sich oft eine Menge Make-up, eine professionelle Belichtung und sehr viele Versuche, bis das perfekte Bild im Kasten ist. Anschließend wird dieses natürlich noch bearbeitet, bis alle Details stimmen.

Befragung zeigt Trend zu optimierten Selfies

Einer Patientenumfrage der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch- Plastischen Chirurgie (DGÄPC) zufolge gaben 24 Prozent der befragten Patientinnen und Patienten an, sich bei einer ästhetischen Behandlung einem Vorbild annähern zu wollen. Ein neuer Trend ist jedoch, dass die befragten Patienten nicht nur aussehen wollen wie Influencer. Immer häufiger nehmen sie eigene Bilder und bearbeiten diese mithilfe von speziellen Apps so, dass ein optimiertes Foto dabei heraus- kommt: Die Wangenknochen sind ausgeprägter, die Lippen voller, die Nase kleiner und das gesamte Gesicht wirkt schmaler. Immerhin 14 Prozent der Befragten gaben an, dass sie so aussehen möchten wie auf ihren optimierten Bildern. In einer Umfrage unter den Mitgliedern der DGÄPC sagen 59 Prozent der Chirurgen, dass schon einmal Patienten mit solchen bearbeiteten Fotos in die Praxis gekommen sind und den Wunsch äußerten, nach einer Behandlung so auszusehen wie auf dem Bild. In den meisten Fällen sind es junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren.

Abb. 1: Behandler können mit Hyaluronsäure Tränenrinnen behandeln. Dadurch werden eventuelle Falten gemindert und dunkle Schatten reduziert.

Zudem gaben fast 72 Prozent der Chirurgen an, dass dieses Phänomen in den letzten Jahren zugenommen hat, und über 85 Prozent sind der Auffassung, dass es in den kommenden Jahren noch zunehmen wird. Genauso viele Ärzte meinen, dass die bearbeiteten Fotos der Patienten die Erwartung an das eigene Aussehen beeinflussen. Oft haben sie zudem unrealistische Vorstellungen davon, was die ästhetische Medizin leisten kann bzw. was ethisch vertretbar ist.

Kommunikation mit den Patienten ist wichtig

Ärzte stellt dies vor eine besondere Herausforderung. Zum einen möchten sie ihren Patientinnen und Patienten zu deren gewünschten Aussehen verhelfen, zum anderen gibt es in der ästhetischen Medizin natürlich auch Grenzen des Machbaren. Ziel einer professionellen Behandlung sollte sein, die natürliche Schönheit zu unterstützen. So gibt Hyaluronsäure den Lippen beispielsweise verloren gegangenes oder nicht vorhandenes Volumen zurück, ohne jedoch unnatürlich und „gemacht“ zu wirken. Die sogenannten Schlauchbootlippen hingegen sind ethisch eigentlich nicht vertretbar.

Daher ist es wichtig, mit den Patienten ein ehrliches Gespräch zu führen und ihnen zu erklären, welche Wünsche erfüllt werden können und welche nicht. Denn in der Regel reichen bei jüngeren Patienten schon kleine minimalinvasive Eingriffe
aus – ob als Einzelbehandlung oder in Kombination mit anderen ästheti- schen Behandlungen –, um das eigene Aussehen ein wenig zu optimieren.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Schmaleres Gesicht

  • Botulinumtoxin in die hintere Kaumuskulatur injiziert, sorgt dafür, dass die Muskeln entspannen und so das Gesicht schmaler und weiblicher wirkt.
  • Injektions-Lipolyse mindert Fettpölsterchen im Gesicht und kann zum Beispiel Babyspeck in den Wangen vermindern.
  • Hyaluron im Bereich der Wangenknochen hebt die Haut an und bringt Wangenknochen und Kinnlinie zur Geltung.
  • Hyaluron in die Kinnlinie injiziert definiert den unteren Bereich des Gesichts und sorgt für ein feminineres Erscheinungsbild.Nasenkorrektur
  • Festere Hyalurongele können Höcker ausgleichen, die Nasenspitze anheben und die Nase insgesamt schmaler wirken lassen.Lippenkorrektur
  • Hyalurongel kann in den inneren Bereich der Oberlippe injiziert werden. Dadurch werden die Lippen von innen aufgepolstert, ohne „gemacht“ zu wirken.
  • Geben Ärzte das Gel in den äußeren Bereich der Lippe, werden gleichzeitig kleine Fält- chen geglättet und das Lippen- herz kann definiert werden.Faltenbehandlungen
  • Mithilfe eines Fadenliftings können fast alle Arten von Falten im Gesicht minimiert werden.
  • Auf der Stirn kommt oft Botu- linumtoxin zum Einsatz.
  • Mit Hyaluron lassen sich Tränen- rinnen gut behandeln.

Tipps für die Kommunikation mit jungen Patienten

Die meisten Patienten, die mit opti- mierten Selfies in die Praxis kommen, sind jung – zwischen 18 und 25 Jahre alt. Zu starke und dauerhafte Behandlungen könnten sie im Laufe der Zeit bereuen. Daher ist es gerade in diesem Alter empfehlenswert, den Patienten minimalinvasive Eingriffe ans Herz zu legen. Denn bei diesen lässt die Wirkung in der Regel nach zwölf bis 18 Monaten nach – sie können aber jederzeit wiederholt werden, wenn ihnen das Ergebnis gefallen hat.

Wünsche ernst nehmen, auch wenn sie unrealistisch sind 

Eine Patientin mit einem rundlichen Gesicht und einer ausgeprägten Nase kommt in die Praxis und zeigt Ihnen ein stark bearbeitetes Bild. Darauf stechen ihre Wangenknochen hervor, die Lippen bilden einen Schmollmund und die Nase ist schmal wie bei einer Barbie. Dieses Ergebnis werden Sie nur mit erheblichen operativen Eingriffen erzielen. Sagen Sie ihr
dies offen und ehrlich, erklären Sie ihr zugleich aber auch, was Sie mit minimalinvasiven Eingriffen möglich machen können und welche Vorteile diese Behandlungen mit sich bringen.

Vorteile der minimalinvasiven Behandlungen aufzeigen

Eine Patientin wünscht sich eine schmalere Nase und auch der Höcker auf dem Nasenrücken stört sie. Mit Hyaluron können Sie diese so behandeln, dass kleine Unebenheiten ausgeglichen werden – nur mit einzelnen Injektionen, aber ohne Narben und Ausfallzeiten. Ist die Patientin mit dem Ergebnis zufrieden, können Sie dieses alle zwölf Monate erneuern.
Ist sie es nicht, können Sie andere Schritte diskutieren. Weiterhin kosten minimalinvasive Behandlungen oft nur einen Bruchteil dessen, was Patienten für eine Operation aufbringen müssen. Gerade junge Menschen können sich so Eingriffe leisten und ihr Selbstwertgefühl steigern. Das Portfolio an ästhetischen Behandlungen ist zudem so breit gefächert, dass es unzähligen Möglichkeiten gibt, das eigene Aussehen mit kleinen Eingriffen zu verbessern. Die einzelnen Methoden können so kombiniert werden, dass ein harmonisches Gesamtbild entsteht, ohne dass das Gesicht unnatürlich wirkt.

Immer Vorher-nachher-Bilder anfertigen

Kommen Patienten mit bearbeiteten Selfies in die Praxis, haben sie bestimmte Erwartungen an eine Behandlung. Um die Ergebnisse am Ende zu belegen und den Patienten die Veränderungen vor Augen zu führen, hilft es, ihnen Vorher-nachher-Bilder vorzulegen. Anhand der Bilder können sie dann genau sehen, wie sich ihr Äußeres verändert hat. Außerdem können Sie die Fotos verwenden, um weitere Eingriffe zu besprechen, sofern diese von den Patienten gewünscht werden. 􏰀

Fortbildung in der Kiel Medical Academy

Dr. Johannes Müller-Steinmann, Facharzt für Dermatologie sowie Leiter der Kiel Medical Academy, bildet Ärzte aller Fachrichtungen zu verschiedenen Bereichen der ästhetischen Medizin fort. In der Kiel Medical Academy können Ärzte Workshops zum Fadenlifting, Behandlungen mit Botulinumtoxin, Hyaluron- Fillern, Lasern und der Injektions-Lipolyse absolvieren. Weitere Informationen unter: www.kiel-medical-academy.com